Finn Mayer-Kuckuk über einen Ausschluss des chinesischen IT-Konzerns

Ein Herz für Huawei

Wir sollten Donald Trump nicht auf den Leim gehen. Der US-Präsident greift den chinesischen Technikanbieter Huawei aus allen Rohren an und wirft ihm Spionage vor. Doch seit wann ist Trump eine vertrauenswürdige Quelle? Selbst Fachleute in seiner eigenen Regierung bezweifeln viele seiner Aussagen. Dennoch ist nach seinen Attacken gegen Huawei auch in der EU und in Deutschland das Misstrauen gegen den chinesischen Konzern gestiegen. Nachdem es jahrelang nicht als Problem galt, dass die Telekom wesentliche Teile der Hardware für ihre Netze zu günstigen Preisen aus China bezogen hat, haben CDU-Abgeordnete zeitweilig einen Ausschluss der Chinesen gefordert.

Die Wahrheit ist: Deutsche Firmen und Verbraucher können die Produkte von Huawei unbesorgt kaufen. Es gibt bisher keinen Beweis dafür, dass die Geräte des Unternehmens Hintertüren für den Geheimdienst eingebaut haben. IT-Experten bezweifeln, ob dieser Ansatz für die Spionage überhaupt zielführend ist. Andererseits bietet ­Huawei die fortschrittlichste Technik zum besten Preis – und zu den kurzen Lieferzeiten, die in der Aufbauphase des Netzes entscheidend ist.

Auch Handys, die derzeit am Markt sind, werden weiterhin funktionieren. Verunsicherte Verbraucher können sicherheitshalber zur koreanischen Konkurrenz greifen, aber nötig ist das nicht.

Deutschland darf sich gleichwohl als mittelgroßes Land weder von der einen noch der anderen Großmacht abhängig machen. Die 5G-Ausrüstung muss daher auch künftig zu einem großen Teil von europäischen Anbietern wie Nokia und Ericsson kommen.

Das Gleiche gilt jedoch auch andersherum. Die Abhängigkeit deutscher Konsumenten vom amerikanisch kontrollierten Handy-Betriebssystem Android ist ein Skandal. Das Produkt ist ein Datensammelkrake des US-Konzerns Google. Eine offene, transparente Alternative aus China unter der Technikführung von Huawei wäre hochwillkommen. Denn je mehr Wahlmöglichkeiten, desto besser.

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