heute in hamburg

„Eine feste Definition ist der falsche Weg“

Vortrag mit Diskussion „Die nachhaltige Universität Hamburg – Eine Frage der Interpretation?“: 14 Uhr, Mittelweg 177, Raum N 0006. Eintritt frei

Interview Katharina Gebauer

taz: Herr Bien, was macht eine nachhaltige Universität aus?

Colin Bien: Genau das ist Bestandteil der Diskussionen, die wir führen. Was heißt es überhaupt? Hier gilt es, eine sinnvolle Balance zu finden.

Warum ist eine universelle Definition von Nachhaltigkeit nicht zielführend?

Es braucht gewiss einen gemeinsamen Rahmen, in dem der Begriff Nachhaltigkeit fest ist und für den Ziele gesetzt werden. Gleichzeitig muss aber auch Raum für die einzelnen Disziplinen gelassen werden, um diesen die Möglichkeit zu geben, Nachhaltigkeit für die eigene Forschung zu definieren. Diesen Meinungsbildungsprozess gilt es zuzulassen und zu fördern. Eine feste Definition, was eine nachhaltige Universität ausmacht, ist da der falsche Weg. Die Inhalte muss jede Uni für sich füllen und ein stimmiges Gesamtkonzept gemeinsam mit den einzelnen Disziplinen erarbeiten.

Welche Bedeutung schreibt die Universität Hamburg denn der Nachhaltigkeit zu?

Eine sehr große, wenn nicht sogar die zentrale Bedeutung. Seit etwa sieben Jahren läuft eine Umstrukturierung, durch die das Thema viel Aufwind bekommen hat. Dadurch ist Nachhaltigkeit Dreh- und Angelpunkt vieler Prozesse innerhalb der Universität geworden. Ich betrachte den Prozess an sich aus einer Forschungsperspektive, inhaltlich ist die Umstellung von Gleichstellungsfragen sehr positiv im Vergleich zu anderen Hochschulen zu betrachten. Außerdem haben wir einen CO²-neutralen Campus, der von Ökostrom gespeist wird.

Welche Akteure sind für eine nachhaltige Uni besonders relevant?

Foto: privat

Colin Bien, 33, forscht als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung „Research Unit Sustainability & Global Change“ an der Universität Hamburg.

Eigentlich alle, die Wissenschaftler, die Studierenden, das Verwaltungspersonal. Besonders beim Zusammenspiel zwischen Präsidium und den Fakultäten ist es wichtig, auf allen Ebenen Impulse zu setzen und Türen für die Einbringung in solche Prozesse zu öffnen.

Welche möglichen Argumente kann es gegen Nachhaltigkeit geben? Ist es nicht immer gut, nachhaltig zu handeln?

Man könnte das meinen, allerdings hat Wissenschaft bestimmte Werte wie beispielsweise die Objektivität. Nachhaltigkeit ist jedoch ein normatives Konzept, das beschreibt, wie Zukunft sein soll. Dies in Einklang zu bringen, ohne dass Nachhaltigkeit mit Einschnitten in die Forschungsfreiheit einhergeht, fällt Wissenschaftlern häufig schwer. Es müssen die richtigen Anreize gesetzt werden, damit nachhaltige Entscheidungen von jedem Forscher selbst kommen.