das portrait

Die Demokratin Elizabeth Warren will Donald Trump herausfordern

Foto: Susan Walsh/ap

Nicht einmal 20 Minuten benötigte Elizabeth Warren, um einen der mächtigsten Männer der Wall Street auf Gartenzwerggröße zusammenzustutzen. Im September 2016 musste John Stumpf, damals Vorstandschef der Bank Wells Fargo, zur Anhörung im US-Senat, nachdem sein Unternehmen Kunden mit illegalen Gebühren um mehr als 100 Millionen Dollar geprellt hatte. „Haben Sie auch nur einen Nickel des Geldes zurückgezahlt, das man Ihnen gezahlt hat, während der Betrug vonstatten ging?“, fuhr Warren Stumpf an. Dann sagte sie ihm ins Gesicht, dass er zurücktreten und man ihn strafrechtlich verfolgen solle. Stumpf konnte nur betreten schweigen.

Nur wenigen US-Politikern gelingt es, die Wall Street so einzuschüchtern wie Elizabeth Warren. Die Senatorin aus Massachusetts ist die profilierteste Finanzpolitikerin der US-Demokraten. Nach der Immobilienkrise 2008 half Warren bei der Aufarbeitung des Bankenskandals. Unter Präsident Obama wirkte sie maßgeblich daran mit, eine Verbraucherzentrale für Finanzprodukte ins Leben zu rufen. Das Consumer Financial Protection Bureau zog ab 2011 erfolgreich Banken zur Verantwortung, die ihre Kunden betrogen hatten.

Schon im Vorfeld der Wahl 2016 war Warren als Kandidatin für das höchste Amt gehandelt worden. Die heute 69-Jährige entschied sich allerdings gegen eine Kandidatur. Nun möchte Elizabeth Warren es aber doch wissen. Am Silvestertag gab sie bekannt, ein Vorbereitungskomitee für eine Präsidentschaftskampagne ins Leben zu rufen. Das heißt im Klartext: Warren tritt zur parteiinternen Vorwahl an. Sie ist die erste prominente Politikerin der Demokraten, die ihre Kandidatur bekannt gibt.

Obwohl Warren dem linken Parteiflügel zugerechnet wird, könnte ihr rigoroses Vorgehen gegen die Finanzwelt auch eher rechte Trump-Wähler begeistern. Dessen ehemaliger Chefstratege, Steve Bannon, sieht den schonenden Umgang der Regierung Obama mit der Wall Street nach der Finanzkrise als wichtigen Faktor im Wahlsieg des Immobilienmilliardärs. Warren hätte somit ein perfektes Wahlkampf­thema. Doch die ehemalige Juraprofessorin hat auch Schwächen: Ihr linkes Profil dürfte bei dem strukturell eher zentristischen Parteiestablishment der Demokraten auf wenig Gegenliebe stoßen. Im Gegensatz zu Bernie Sanders gilt Warren auch nicht als Politikerin, die Wähler begeistern kann.

Eine weitere Hypothek dürfte die Affäre um ihre Herkunft sein. Warren gibt an, indigene Wurzeln zu haben. In Teilen der demokratischen Parteibasis gibt es die Tendenz zur Fetischisierung von Diversity – an die Warren mit ihrer Behauptung anknüpfte. Nur: Warren ist weiß. Trump bot deshalb ihr 1 Million Dollar an, wenn sie per DNA-Analyse ihre Herkunft belegen könne. Der im Oktober veröffentlichte Test ergab zwar einen geringen Anteil indigenen Erbguts. Warrens Verhalten wurde dennoch als peinlich wahrgenommen. Bis zur ersten Vorwahl im Februar 2020 hat Warren aber noch genug Zeit, um positivere Schlagzeilen zu generieren. Jörg Wimalasena