Seenotretter „Aquarius 2“ im Mittelmeer

Geflüchtete können nicht von Bord

Die von der „Aquarius 2“ geretteten Geflüchteten werden auf vier EU-Staaten verteilt. Es kann aber noch mehrere Tage dauern, bis sie an Land können.

Drei Männer in orangefarbenen Schwimmwesten blicken von einem Boot auf ein Schiff

Mit der „Aquarius 2“ wird das letzte aktive private Rettungsschiff in der Zone vor Libyen stillgelegt Foto: Maud Veith/SOS Mediterranee/dpa

ROM/VALLETTA dpa/afp | Der Transfer von den geretteten Geflüchteten auf dem Schiff „Aquarius 2“ nach Malta verzögert sich. Grund dafür sei schlechtes Wetter, sagte eine Sprecherin der Hilfsorganisation SOS Méditerranée der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Es könne zwei bis drei Tage dauern, bis die 58 Geflüchteten an Bord eines maltesischen Schiffes gehen können, das sie an Land bringen soll.

Die „Aquarius 2“ selbst darf nicht im Hafen des Inselstaats anlegen, sondern fährt weiter ins südfranzösische Marseille. Dort dürfte das Schiff seine Flagge verlieren: Der Flaggenstaat Panama hatte angekündigt, es aus seinem Schifffahrtsregister zu streichen. Damit wäre das letzte noch aktive private Rettungsschiff in der Zone vor Libyen zunächst stillgelegt.

Deutschland habe sich zur Aufnahme von 15 der 58 Geflüchteten bereit erklärt, hieß es am Dienstag aus der französischen Regierung. Die übrigen Flüchtlinge sollen nach Frankreich, Spanien und Portugal gebracht werden. Zuvor hatte Malta den Migranten erlaubt, in dem Inselstaat an Land zu gehen – um dann „unverzüglich“ auf andere Länder verteilt zu werden.

Regierungschef Joseph Muscat erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, die 58 Migranten würden „in internationalen Gewässern von einem maltesischen Schiff aufgenommen und nach Malta gebracht“. Laut einem maltesischen Regierungssprecher wird der Einsatz beginnen, „sobald es logistisch möglich ist“. Malta beteilige sich aus rein „humanitären Beweggründen“ an der Aktion.

Dramatische Odyssee

Die Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen hatten zwischenzeitlich darum gebeten, die Geflüchteten nach Marseille zu fahren – Frankreich pochte aber auf das Prinzip, dass aus Seenot Gerettete in den nächstgelegenen sicheren Hafen gebracht werden.

Italiens Regierung verweigert seit dem Sommer Hilfsschiffen mit Geflüchteten das Anlegen in seinen Häfen. Italiens rechter Innnenminister Matteo Salvini beschuldigte die „Aquarius“, einen „Taxidienst“ für Migranten zu betreiben. Seit dem Sommer sind mehrere Rettungsschiffe auf der Suche nach einem Hafen durch das Mittelmeer geirrt, darunter auch die „Aquarius“.

Besonders dramatisch war eine Odyssee des Schiffs im Juni, nachdem es vor der libyschen Küste 630 Geflüchtete an Bord genommen hatte. Italien und Malta verweigerten der „Aquarius“ das Anlegen, nach tagelangem Warten durfte sie schließlich in den Hafen der spanischen Stadt Valencia einlaufen, die Geflüchtete durften von Bord gehen. Im August durften 141 Geflüchtete auf der „Aquarius“ erst nach langem Warten in Malta an Land gehen, nachdem sich fünf EU-Länder, darunter Deutschland, zu deren Aufnahme bereit erklärt hatten.

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Weltweit sind mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Verfolgung und Armut. Im Mittelmeer sterben Zehntausende. Und die EU setzt auf Abschottung.

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