: Kläranlagen zu Bergwerken
Rohstoffe Phosphor ist wertvoll und knapp. Künftig wird er aus dem Abwasser herausgefiltert
Mit langen Übergangsfristen von bis zu 15 Jahren müssen die Kläranlagen sich nun dafür ausrüsten, den Phosphor aus dem Schlamm herauszufiltern. Derzeit arbeiten zahlreiche Versuchsanlagen daran: Einige gewinnen den Phosphor aus dem Klärschlamm zurück, in anderen wird der getrocknete Schlamm verbrannt und der Phosphor aus der Asche extrahiert.
Langfristig würden sich vier bis fünf Technologien als praktikabel und bezahlbar herausfiltern, sagt Daniel Frank, Geschäftsführer der Deutschen Phosphor Plattform. Die neue Verordnung sei „hilfreich“, denn künftig sei es möglich, wirtschaftlich Phosphor zurückzugewinnen. „Natürlich ist das erst der Anfang“, so Frank, „als Nächstes müssen wir an die Gülle aus der Landwirtschaft ran.“
Um die 82.000 Tonnen Phosphat importiert Deutschland jährlich, vor allem aus Marokko, China und den USA. 40 Prozent davon ließen sich durch zurückgewonnenes Phosphat aus Klärschlamm ersetzen, schätzt das Bundesforschungsministerium. Der Verband der Kommunalen Unternehmen (VKU) fordert, die Kläranlagen müssten die entstehenden Mehrkosten auf die Abwassergebühren aufschlagen dürfen. Berechnungen des Umweltbundesamtes gehen von Mehrkosten von 30 Cent bis 4,30 Euro pro Einwohner im Jahr aus, je nach Technik und Voraussetzungen der Anlage. Laut einer Umfrage des VKU rechnen zwei Drittel aller Mitglieder mit „erheblichen Kosten“.
Trotzdem findet die Verordnung breites Wohlwollen. Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft sind froh, dass es endlich Planungssicherheit gebe. Die Opposition stört sich nur an Ausnahmen für kleine Kläranlagen und findet es „gut, dass die Phosphor-Rückgewinnung als Zukunftstechnologie angegangen wird“, so der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Peter Meiwald. hol
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