sonntaz-Streit vor Islamkonferenz: Gleichstellung des Islams gefordert
Gleiche Recht für islamische Glaubensgemeinschaften? Ja, sagt die katholische Kirche - wenn die Muslime ihre Strukturen verändern. Muslimen-Vertreterin Kilicarslan sieht das anders.
BERLIN taz | Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich für eine langfristige rechtliche Gleichstellung des Islams ausgesprochen. Es sei "grundsätzlich wünschenswert, dass die muslimischen Gemeinschaften den christlichen Kirchen rechtlich gleichgestellt werden", schreibt der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, im "Streit der Woche" der sonntaz. "Vor allem ist der Status einer 'Körperschaft des öffentlichen Rechts' kein Exklusivrecht der Kirchen." Allerdings müssten die Elemente einer Religionsgemeinschaft vorhanden sein, etwa geordnete Mitgliedschaft oder religiöse Auskunftsfähigkeit.
Für Donnerstag hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zum letzten Mal in dieser Legislaturperiode zur Islamkonferenz eingeladen. Politiker von Bund, Ländern und Kommunen sowie Vertreter der in Deutschland lebenden Muslime verkünden dann ihre Empfehlungen zur Integration des Islams.
Ayten Kilicarslan, Vize-Generalsekretärin des muslimischen Dachverbandes Ditib, wehrt sich gegen die Forderung, die muslimischen Organisationen müssten sich anpassen. "Muslime sollten nicht die gleichen Strukturen wie die Kirchen aufnehmen müssen, um als Religionsgemeinschaften anerkannt zu werden", schreibt sie im "Streit der Woche". Muslimische Landesverbände erfüllten schon jetzt alle Anforderungen zum Beispiel für die Einführung des islamischen Religionsunterrichts.
Der CSU-Politiker Günther Beckstein, ständiges Mitglied der Islamkonferenz, spricht sich gegen eine rechtliche Gleichstellung des Islams aus. "Der Islam ist in seiner Struktur, seinem Selbstverständnis, seinem Verhältnis zur Staatlichkeit und in der Frage der Menschenrechte und der Demokratie weit vom Christentum entfernt", schreibt Beckstein, der auch der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland angehört. Modern sein bedeute nicht, diese Unterschiede zu ignorieren.
Stattdessen müsse man liberale Kräfte des Islam stärken. Dazu gehörten auch Ausbau des islamischen Religionsunterrichts, "eine ordentliche Imamausbildung und ein wohlgeplanter Moscheenbau".
Im "Streit der Woche" schreiben neben Langendörfer, Kilicarslan und Beckstein der Islamwissenschaftler Peter Heine, Ezhar Cezairli, Vertreterin säkularer Muslime in der Islamkonferenz, der Kabarettist Sinasi Dikmen und der Abiturient Lasse Wissmann, der seinen Beitrag auf taz.de gestellt hat. Die österreichische Bundeskultusministerin Claudia Schmied erklärt die Regelung in ihrem Land: Dort ist der Islam schon seit 1912 als gesetzliche Religionsgemeinschaft anerkannt.
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