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Kommentar zum Anschlag in Minsk Wen Lukaschenko verdächtigt

Kommentar von

Barbara Oertel

Der autoritäre Staatschef Lukaschenko meint zu wissen, dass die Verantwortlichen für den Terroranschlag im Ausland sitzen. Dem Land droht der Kollaps.

A nders als die Menschen in Russland glaubte sich ein Großteil der Weißrussen bislang vor terroristischen Angriffen sicher. Damit ist es seit dem Bombenanschlag in einer Minsker U-Bahn-Station am Montagabend, bei dem mindestens zwölf Personen getötet und rund 150 verletzt wurden, vorbei. Obwohl über die Identität der Täter derzeit nur gemutmaßt werden kann, meint der autoritäre Staatschef Alexander Lukaschenko schon zu wissen, dass die Verantwortlichen für die Tat im Ausland sitzen. Im westlichen Ausland versteht sich - lauern hier doch die bösen Kräfte, die durch die Unterstützung der Opposition, der Zivilgesellschaft, ja sogar mit Programmen für durch Tschernobyl geschädigte Kinder Weißrussland destabilisieren.

Lukaschenko hat den Geheimdienst KGB aufgefordert, das Land auf der Suche nach den Verantwortlichen "auf den Kopf zu stellen". Als ob er das nicht ohnehin schon täte - vor allem seit dem Tag seiner gefälschten Wiederwahl, dem 19. Dezember 2010.

In einer Art Kurzschlussreaktion ließ Lukaschenko Proteste seiner Kritiker zusammenknüppeln und über 600 Personen festnehmen. Knapp 30 sitzen immer noch im Gefängnis oder sind bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Hausdurchsuchungen bei Regimegegnern sowie deren Bedrohung und Einschüchterung sind an der Tagesordnung.

Barbara Oertel

ist Osteuropa-Korrespondentin der taz.

Dass die Opposition eine Verschärfung der repressiven Gangart befürchtet, liegt nahe, zumal Lukaschenko so von den innenpolitischen Problemen ablenken kann. Und die sind immens. Dort, wo die Menschen Hamsterkäufe tätigen aus Angst, die Lebensmittel am nächsten Tag nicht mehr bezahlen zu können, dämmert es auch dem Letztem, dass dem Land der Kollaps droht. Lukaschenko steht mit dem Rücken zur Wand. Daran wird auch der Anschlag nichts ändern.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Barbara Oertel Ressortleiterin Ausland

Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.
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1 Kommentar

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  • S
    Sergej

    Ich hoffe Belarus wird kraftvoll gegen solche, wohl vom imperialistischen Westen eingesetzte, Terroristen vorgehen!