Galatasaray in der Champions League

Der König der Löwen träumt

Galatasaray Istanbul leistet sich nun Edelkicker wie Wesley Sneijder und Didier Drogba. Doch das Team hat mehr zu bieten.

Neu im Löwenkäfig: Wesley Sneijder. Bild: dpa

Jüngst weilte Ünal Aysal mit einer Delegation von Galatasaray Istanbul in Deutschland. Der Präsident des türkischen Meisters sucht einen Ort für eine Fußballschule des Klubs in Europa. Er ließ sich Anfang Februar die Nachwuchsleistungszentren einiger Bundesligisten zeigen, etwa in Hamburg oder Frankfurt.

Da lagen die Verpflichtungen der Weltstars Wesley Sneijder und Didier Drogba im Februar gerade ein paar Tage zurück. Aysal ist einer der reichsten Männer der Türkei. Sein Mischkonzern Unit Group ist besonders im Öl- und Elektronikbereich erfolgreich. Nun will Aysal auch den Galatasaray Spor Kulübü ganz nach oben führen.

„Galatasaray wird sich als Marke in Zukunft noch stärker positionieren, wir wollen in den nächsten Jahren die Champions-League gewinnen“, sagt der 71-Jährige, der einst am noblen Galatasaray-Lisesi in Istanbul, an dem der Verein gegründet wurde, sein Abitur machte. Vor dem Achtelfinal-Hinspiel am Mittwoch am Bosporus gegen den kriselnden FC Schalke 04 (20.45 Uhr, ZDF) sind die Türken davon überzeugt, dass sie schon in dieser Saison ins Viertelfinale der europäischen Eliteklasse einziehen können. Die etablierten Neulinge Sneijder und Drogba haben eine riesige Euphorie bei den Fans ausgelöst.

Dabei ist die Vereinspolitik von Aysal nicht auf Hasardeurtum angelegt. Dennoch staunt Fußball-Europa und fragt sich, wie Galatasaray Spieler dieses Kalibers finanziert: Drogba kassiert in den kommenden 18 Monaten 10 Millionen Euro Gehalt. Für Sneijder wurde eine Ablösesumme von 7,5 Millionen Euro an Inter Mailand fällig. Der Holländer verdient bis zum Juni 2016 ein jährliches Fixum von 3,2 Millionen Euro, ein Handgeld von 3,9 Millionen und eine Einsatzprämie, die jährlich bei mindestens 20 Einsätzen 500.000 Euro beträgt. Alles reine Netto-Summen.

Neue Ära in neuer Arena

Galatasaray ist durch den Bau der Türk Telekom Arena wirtschaftlich zum Marktführer in der Türkei aufgestiegen. Mit einer Kapitalerhöhung an der Börse beschaffte sich der Klub 73 Millionen Euro. Während das Image von Fenerbahce im Ausland durch den Manipulationsskandal 2011 stark gelitten hat, feierte Galatasaray durch die Einweihung der neuen Heimspielstätte im selben Jahr den Aufbruch in eine neue Ära. In dieser Saison wurden 44.000 Dauerkarten für die Spiele in der modernen Arena mit einem Fassungsvermögen von 52.652 verkauft. Die Namensrechte lässt sich TürkTelekom 8 Millionen Euro pro Jahr kosten. Die 149 Logenplätze generieren ab 2014 angeblich Einnahmen von rund 70 Millionen Euro.

In dieser Champions-League-Saison spielte der Klub bislang 28,5 Millionen Euro ein. Das Merchandising bringt 13 Millionen Euro. Allein von Sneijders neuem Trikot waren innerhalb von wenigen Tagen über 30.000 Exemplare verkauft.

In der Meisterschaft führt die Mannschaft von Trainer Fatih Terim mit 6 Punkten Vorsprung. Das Team auf Drogba – der bei seinem Debüt vergangenen Freitag gleich traf – und Sneijder zu reduzieren, wäre ein Fehler. Mit Burak Yilmaz, der vor der Saison für 5 Millionen Euro aus Trabzon kam und schon sechs Champions-League-Treffer erzielt hat, sowie Umut Bulut, stehen derzeit die beiden besten türkischen Angreifer im Kader.

Im Mittelfeld finden sich mit dem in Gelsenkirchen geborenen Hamit Altintop, und Selcuk Inan zwei Strategen, und der Torwart Fernando Muslera aus Uruguay zählt zu den solideren Vertretern seiner Zunft. Der autoritäre Trainer Terim, seit 2011 zum dritten Mal bei den „Löwen“ im Amt, holte sich alte Weggefährten, die er einst zu Stars formte, in seinen Trainerstab: den Torwarttrainer Claudio Taffarel, Offensivallrounder Hasan Sas und den aus Mannheim stammenden Ümit Davala. Mit ihnen feierte Terim mit Galatasaray 2000 den Gewinn des Uefa-Cups – der größten Erfolg in der Geschichte des türkischen Vereinsfußballs. Nun beginnt das Träumen mit Drogba und Sneijder.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de