: Neues Spielhaus eingefeiert
■ Bras-Projekt ökologisch vorbildlich / Der halbe Stadtteil war und ist beteiligt
Lisa, 7 Jahre, durchschnippelte das Band mit den bunten Luftballons. Damit war der Eingang frei: Kinder, Mütter, Väter und die PädagogInnen nahmen gestern vormittag ihr neues Spielhaus in der Ratzeburger Straße in Bremen-Walle in Besitz. „Ich finde das Haus ganz toll“, erzählte Lisa mit vollem Mund, denn es gab belegte Brötchen und Saft für die Kinder, Bier und Sekt für die Erwachsenen.
Seit 14 Jahren gibt es das Spielhaus der Naturfreundejugend. Vormittags kommen die Kleinsten, mittags die Schulkinder und oft noch Jugendliche. Bis vor eineinhalb Jahren trafen sie sich in dem ehemaligen Waschhaus der Wohnblocks. Als das nicht mehr zu retten war, mußte ein Neubau her.
Eine echte Stadtteilinitiative ist dieses Spielhaus geworden.
Jugendliche aus dem Stadtteil haben es im Rahmen eines ABM -Projekts der Bremer Arbeitslosenselbsthilfe (Bras) gebaut. Rainer und Coskun, beide 22 Jahre, sind stolz darauf: „Das war ne sinnvolle Arbeit für die Kinder und die Leute hier im Stadtteil. Und wir haben wahrscheinlich dabei mehr gelernt als in einer Lehre.“ Denn neu war auch das Baukonzept. Es wurden fast ausschließlich rohstoffschonende und gesundheitlich unbedenkliche Baustoffe verwandt. Das tragende Gerüst ist ein Holzskelett, dessen Außenwände mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh ausgefacht wurden. Als Wetterschutz dient eine Verschalung aus Lärchenholz, und die Wärmedämmung ist aus einem aus Altpapier gewonnen Recyclingmaterial. Die großzügige Verglasung schafft nicht nur helle Innen
räume, sondern entlastet auch die Heizanlage durch verstärkte Sonneneinstrahlung.
Die Bras kooperierte bei diesem Projekt mit der Bremischen Gesellschaft, der die Wohnanlage gehört, dem Sozialsenator und dem Ortsamt. 110.000 Mark hat der Neubau samt Innenausstattung gekostet. Auch die Möbel wurden von den Jugendlichen in der Tischlerwerkstatt des Jugendfreizeitheimes gebaut.
Zufrieden waren auch Mütter und Väter. „Ich war selbst als Kind schon hier, und mein Kleiner wird, sobald er laufen kann, auch hier her gehen“, meinte eine Mutter. Denn im Spielhaus treffen sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen gern zum Plausch, oder holen sich von den PädagogInnen Rat für Behördengänge, Schulschwierigkeiten und Lehrstellensuche.
mb/MB
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