: Querspalte
■ Harry und die FDP
In Berlin sind derzeit zwei Werbekampagnen zu bewundern. Die eine ist von der FDP, die andere von Harry. Harry geht aufs Ganze. Auf seinen Plakaten sind wenig zimperliche Hintern abgebildet. Mal steckt eine Heizung in der Furche, mal eine Tapete, mal ein Schloß, mal ein Sicherungskasten. Darüber die Frage: „Heizung im Arsch?“, „Schloß im Arsch?“ etc. Darunter gibt es die Telefonnummer des Reparaturservices. Harry soll man holen, wenn alles im Haus kaputt ist. Die FDP desgleichen, nur daß in dem Haus, das sie meinen, etwa 80 Millionen drin wohnen. Auf dem Plakat der FDP ist ebenfalls größflächig ein Hintern abgebildet. Rot-grün gerastert diesmal. Dazu die Frage: „Na, wie fühlen Sie sich nach acht Monaten Rot-Grün?“ Wenig Phantasie ist nötig, um mit der Antwort herauszuplatzen: „Scheiße!“ Ist es verwegen, darin den Zeitgeist zu sehen? Aber wer ist er? Und wer hat ihn so aus der Flasche gelassen: Grob, schamlos, dreist, dumm?
Ideenlosigkeit und Geschmacklosigkeit gehen in den beiden Plakatserien eine unheilvolle Symbiose ein. Denn gleich, ob es sich um Politik oder um eine Geschäftsidee handelt, sie bezieht sich nur noch auf das Ende: die Ausscheidung. Dünger ist nicht gemeint. Gar nichts ist gemeint. Die FDP ist mit ihrem Latein am Ende und Harry war sicher nie auf einem humanistischen Gymnasium. Die Partei will gewählt, Harry geholt werden. Mehr ist nicht drin. Die Auflösung dieser Geschichte ist schwierig. Harrys Selbstdarstellung und auch die der FDP beginnen unterhalb der Gürtellinie. Der Palast der Partei ist die Toilette. Harry mit von der Partie. Das Ende des guten Geschmacks ist sowieso da. Der „Zeitgeist“ aber, diese philosophische Höchstleistung der deutschen Dichter und Denker, die als „zeitgeist“ in andere Sprachen eingegangen ist, ist nur noch ein stinkender Furz. Waltraud Schwab
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen