zurück in die zukunft:
Eine Konstruktion aus allerlei Zirkeln nimmt die Körpermaße der Kunden, es rattert und dampft und zack – die vollautomatische Nähmaschine, gefüttert mit dem gewünschten Stoff, spuckt den fertigen Anzug aus. Für den viel beschäftigten Herrn von Morgen mit wenig Zeit und viel Stil! So stellte sich eine französische Postkartenreihe vor mehr als hundert Jahren eine Schneiderei im Jahr 2000 vor.
Diese Zukunftsvision ist nicht Realität geworden, doch ihre Urheber*innen wären von Bodyscannern sicher begeistert gewesen. Die gibt es heute ja an vielen Flughäfen: Passagier*innen treten nacheinander in eine Kabine, die Arme zur Seite ausgestreckt. Ein ähnliches Prozedere gibt es auch in modernen Schneidereien. Der Bodyscanner nimmt Maß – und das mit „maximaler Präzision in nur neun Sekunden“, wie ein Hersteller wirbt. Auch die Geschwindigkeit, in der Kleidung heute hergestellt wird, reicht an die Vorstellungen der Visionär*innen von 1912 heran. Doch ermöglicht wird das Tempo leider nicht durch klappernde Schornsteine mit Mikroskoparmen und Zahnrädern, sondern durch die Ausbeutung zahlloser Schneider*innen, deren Arbeits- und Menschenrechte immer wieder verletzt werden.
Marie Gogoll
Zukunftsbilder aus der Vergangenheit
und was man aus ihnen lernen kann, erkunden wir hier in jeder Ausgabe.
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