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unterm strichBundeszentrale gegen politische Bildung

Auf staatliche Förderung kann sich die Kulturszene nicht mehr verlassen. Das ist die (bittere) Erkenntnis, die sich aus der Nachricht ergibt, dass der “Streitraum” an der Berliner Schaubühne nicht fortgeführt werden kann. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat die langjährige Förderung der Veranstaltungsreihe kurzfristig eingestellt; die Schaubühne spricht von einer “plötzlichen Absage”. War die Reihe der Bundeszentrale zu links? Nachdem ihr gerade erst installierter Chef Sönke Rix, der auf einem SPD-Ticket fährt, nach nur fünf Monaten wieder das Handtuch geworfen hatte, waren Befürchtungen laut geworden, sie sollte auf stramm konservative Linie gebracht werden. Ihr Vizepräsident Volker Ullrich (CSU), der als Leiter eingesprungen ist, verkündete zwar: “Die Bundeszentrale wird die Dinge, die in der Vergangenheit gut gelaufen sind, fortführen.” Doch zu diesen Dingen zählt jetzt offenbar für ihn nicht der “Streitraum”.

Nicht gut gelaufen? Von der diskursiven Bedeutung der Reihe ist das jedenfalls Quatsch. Die Reihe war sehr gut besucht und hatte eine Strahlkraft weit über Berlin hinaus. Die Publizistin Carolin Emcke, Friedenspreisträgerin des Deutsche Buchhandels 2016, kuratiert die Reihe seit 2004, seit 2006 wurde sie von der Bundeszentrale gefördert, seit 2020 wird sie live gestreamt, 2025 sahen, nach Angaben der Schaubühne, im Stream 23.000 Zuschauer*innen zu. Zu den Gästen, die während der Veranstaltungen diskutierten, gehörten Richard Sennett, Herfried Münkler, Agnes Heller, Seyla Benhabib, Seyran Ates, Didier Eribon und viele mehr.

Dass die AfD etwas gegen solche Diskurse hat - klar. Aber warum das jetzt keine politische Bildung mehr sein soll, weiß wohl die Bundeszentrale, die eigentlich dafür zuständig sein soll, allein. Fragen muss sich aber auch die Schaubühne stellen: Gut, dass sie die Reihe perspektivisch erhalten möchte - aber gäbe es keine andere Möglichkeit, als sie auszusetzen, bis eine neue Förderung gefunden ist?

Cassandra Wilson ist tot

Und eine zweite traurige Sache: Cassandra Wilson ist gestorben. Wir protestieren auch bei dieser Nachricht, aber was soll man machen? „Mississippi ist der Geburtsort der populären Musik“, erzählte die Sängerin dem (2021 verstorbenen) Jazzexperten Christian Bröcking in der taz. „Da fing alles an, Blues, Jazz, R&B, Bluegrass. Für mich ist es die Rückkehr in eine Kultur, die sehr warm und gastfreundlich ist. Es ist spannend, New Yorker dorthin zu bringen, die auf diese Weise zum ersten Mal diese Kultur erleben. ‚Belly Of The Sun‘ war wie eine Pilgerfahrt, wir trafen Blues-Leute, die das Delta nie verlassen haben, und bekamen ein Gefühl dafür, wie diese Musik entstand. Wenn man sieht, wie die Leute da leben, bekommt man einen anderen Zugang zur Interpretation dieser Musik. Man sieht es nicht nur, man atmet es ein, man isst es, alles ist erfüllt von jenem Lebensstil.“ Vom Time Magazine wurde sie zur „besten Sängerin Amerikas“ gewählt, aber das, so Bröcking, wusste man ja eh. drk

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