unterm strich: Geld für Kulturbauten vs. Geld für Provenienzforschung
Opernhäuser befüllen gerade die Kulturnachrichten. Also die Gebäude, die meistens respräsentativ für Stil und State of the arts ihrer Zeit in den Städten stehen – oder noch stehen sollen. Die Generalsanierung des baufälligen Stuttgarter Opernhauses, des klassizistischen Littmann-Baus aus dem frühen 20. Jahrhundert, bis voraussichtlich 2028 und mit geschätzten Kosten von zwei Milliarden Euro sorgte ebenso für Schlagzeilen wie die Frage, ob Hamburg jetzt wirklich eine neue Oper an der Elbe bauen soll. Die wird zum Großteil gestiftet vom superreichen und mit Nazi-Vergangenheit befleckten Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne. Den Entwurf dafür liefert das Kopenhagener Architekturbüro Bjarne Ingels Group, vielsagend BIG genannt. Und folgt man den aktuellen Plänen in Düsseldorf, so wird dort wohl das norwegische Büro Snøhetta für gut eine Milliarde Euro ein schnittiges Opernhaus neu bauen. Einwände gegen die kostspieligen Kulturbauprojekte gebe es nicht, hieß es kürzlich in der Süddeutschen Zeitung, das liege an der ungebrochenen deutschen Kunstreligiosität.
Die Sanierung der Kölner Bühnen hingegen hat in den letzten Jahren viel Kritik hervorgerufen. Die Arbeiten dauern nun schon über zehn Jahre länger als geplant, die Baukosten sind aufs Dreifache angestiegen, auf 800 Millionen Euro. Der Bau der Kölner Oper von 1957 nach Entwürfen von Wilhelm Riphahn ist ein ästhetisch kühnes Bekenntnis zur Moderne, mit seinen riesigen pyramidenförmigen Klammern aus Beton. So manch Moderne-Kritiker:in hätte ihn lieber abreißen lassen. Umso besser, dass die Kölner Oper nun mit positiven Schlagzeilen aufwartet. Sie soll endgültig im September diesen Jahres wieder eröffnen. Der neue Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester hat diesen Eröffnungstermin jetzt nochmals der Presse gegenüber bekräftigt. Der SPD-Politiker kündigte zugleich einen Neustart für das umstrittene Kulturprojekt an: „Die Hamburger Elbphilharmonie war anfangs auch umstritten, heute ist sie eine der großen Attraktionen der Stadt. Die Kölner Oper wird eine vergleichbare Strahlkraft entwickeln“, so Burmester.
800 Millionen oder zwei Miliarden Euro: Gemessen an den Beträgen für Kulturbauten sind die 2,8 Millionen Euro, die das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste zuletzt für die Provenienzforschung vergeben hat, nur ein Sümmchen. Wie die Stiftung aus Magdeburg jetzt mitteilte, werden damit nun bundesweit zwölf Forschungsvorhaben von Museen oder Universitäten gefördert. Sie untersuchen die Herkunft von Objekten, bei denen der Verdacht auf koloniale Aneignung besteht. Besonders wichtig sind Forschungen zu menschlichen Überresten und sakralen Gegenständen. Sophie Jung
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