taz🐾lage: Am Ende des Tages
Der Teufel steckt im Detail. Das, verehrte Leser*innen, war eine sogenannte „Floskel“. Eine Redewendung also, die eigentlich egal ist. Zu viel Nichts-Sagen nervt, weil Zuhörer dann schnell das Gefühl bekommen, umsonst Aufmerksamkeit zu verschenken. Warum aber beginnt dieser Text mit einer Phrase?
Auslöser für diesen kleinen Exkurs ist ein Leserbrief, der uns höflich darauf hinweist, dass wir mitunter allzu sorglos Wörter nutzen, deren inflationärer Gebrauch im diametralen Gegensatz zu dem stehen, was sie eigentlich aussagen. Das Wort „Rekord“ etwa. Ein Text auf taz.de beschäftigte sich mit den sogenannten Blow-ups, den Hitzeschäden an den Fahrbahnen nach den, nun ja, Rekordtemperaturen Ende Juni. „Rekordschäden an den Fahrbahnen“ war der Text überschrieben.
„Das Erregungslevel“ sei völlig unverhältnismäßig, monierte der Leser, warum nicht einfach: „Große Schäden“? Wenn man solche Superlative weniger verwende, trete man ihrer Entwertung entgegen. Das stimmt natürlich, und da ist der Superlativ ganz eng verwandt mit der Floskel, auf die wir deshalb jetzt an dieser Stelle gerne zurückkommen
Nun ist es so: Am Ende des Tages kann das eine richtig sein, ohne dass das andere falsch ist. Tatsächlich nervt das permanent vorgetäuschte Erregungslevel, und tatsächlich war es eine Rekordanzahl an Fahrbahnschäden bei der Rekordhitze im Juni.
Und am Ende des Tages, auch so eine, wenn nicht sogar die schlimmste Floskel, ist meine Aufmerksamkeit für diesen Text jetzt auch erschöpft und Ihre vermutlich auch. Verschaffen wir uns eine Atempause. (akl)
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