taz🐾lage: Postkarten aus der Ukraine
Postkarten aus einer furchtbaren Vergangenheit lagen Jahrzehnte lang unbeachtet in der ukrainischen Provinzstadt Winnyzja. Bis die Historikerin Hanna Lehun vom Arolsen-Archiv sich der Sache annahm. Weit über 10.000 Karten sind zugleich Erinnerungen an die Verschleppung von Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern nach Deutschland. Lehun initiierte ein Projekt beim weltgrößten Archiv über Naziopfer, bei dem die Inhalte der Karten digitalisiert wurden. So kehrten Namen und Geschichten derjenigen zurück, die im Zweiten Weltkrieg in Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten.
Als die taz im Oktober 2025 berichtete, dass das Archiv dringend Hilfe beim Transkribieren benötigte, fanden sich viele taz-Leserinnen und -Leser, die fortan Namen und Adressen eingaben und so eine Datenbank füllten. Wie viele genau, vermag das Arolsen-Archiv nicht zu sagen. Aber dass es eine Menge gewesen sein müssen, das ist gewiss.
Nach gut sechs Monaten ist der Job erledigt. Jetzt erhalten Historiker neue Informationen über Arbeitslager und die Ausbeutung der dort tätigen Frauen und Männer. Die Enkel und Urenkel der Verschleppten können endlich lesen, was Großvater oder Urgroßmutter aus Nazi-Deutschland geschrieben haben. Julia Dombrowski vom Arolsen-Archiv schreibt: „Solche Arbeitspakete können nur durch das Engagement vieler Freiwilliger erfolgreich abgeschlossen werden. Dafür sind wir sehr dankbar.“
Wer sich weiter für die Erinnerung engagieren möchte – die nächste Nebentätigkeit finden Sie hier: https://everynamecounts.arolsen-archives.org/ Klaus Hillenbrand
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