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taz🐾lageHabermus Titelzeile

Mitunter kommen wir in der Redaktion ganz schön ins Philosophieren, gerade wenn es um die Titelseite geht. Da braucht es eine Menge Worte, um am Ende drei bis zehn davon in eine Titelzeile zu fassen. Aber diese Worte sind nun mal notwendig, denn im Selbstgespräch diskutiert sich die vermeintliche Genialität einer Titelzeile einfach schlechter als mit den Kolleg:innen. Letztere sind ehrlicher. Und haben manchmal die bessere Idee. Am Sonntag war das Philosophieren besonders schön, da wurde die Titelredaktion zu einem kleinen Habermas-Proseminar. Wie war das noch mit der „Vergangenheit, die nicht vergehen will“? Das war doch Habermas… Ach nein, Ernst Nolte 1986 in der FAZ, der berühmte Essay, und Habermas antwortete in der Zeit. Aber was? „Also, ein sexy Zitat finde ich da nicht“, sagt die Seite-1-Redakteurin kritisch.

Derweil überlegen die Kol­le­g:in­nen, ob der anfangs der Studentenbewegung zugeneigte Habermas „die Linke verraten hat“? Zumindest die Ukraine habe er nicht verraten, das müsse man ihm zugutehalten, findet eine Kollegin. Bis zuletzt hatte er sich in politische Debatten eingemischt, etwa mit seiner letzten Veröffentlichung 2024. Aber der Kosovo-Kriegseinsatz? Da war er doch dafür!

So lesen wir uns gegenseitig Zitate vor, landen bei Adorno und am Starnberger See, wo Habermas zuletzt gelebt hat. Am Ende schlägt die Chefin vom Dienst, die jetzt auch mal wieder andere Dinge zu tun hat und die Habermas seit dessen Abkehr vom Materialismus eher langweilig findet, eine Schlagzeile vor, die wir zwar nicht drucken, die aber doch für Gelächter sorgt: Historikerstreit beigesetzt. (akl)

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