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taz🐾lage

Ströbeles Fahrrad als Erinnerung

Personenkult ist ja nicht so die Sache unserer Zeitung. Selbst außergewöhnliche akademische Leistungen, die in einen DoktorInnentitel münden, unterlassen wir zu nennen. Aber Personen, die auch für die Geschichte unseres alternativen und linken Blatts wichtig sind, gibt es ja viele. Gewürdigt wird etwa unser verstorbener Kollege Christian Semler; seine Redaktionsbibliothek ist zur bücherpapiernen Skulptur im Treppenhaus zwischen Erdgeschoss und 1. Etage drapiert, es sieht sehr smart aus. Jedenfalls cooler als die Fotogalerie-Installation der vielen ChefredakteurInnen, von Portraits in Plakatgröße in der großen Teeküche des alten taz-Hauses der Rudi-Dutschke-Straße hingen – als ob nur sie Ruhm verdient hätten. Nein, das wurde in stillem Einvernehmen aller abgehängt.

Einem gebührt der Ruhm gewiss, und das ist Hans-Christian Ströbele, der am 29. August 2022 verstorben ist. Der Rechtsanwalt und Grünen-Politiker, der in Kreuzberg das erste Direktmandat bei einer Bundestagswahl geholt hat, Freund sozialer Bewegungen, die die Welt besser machen wollen, war taz-Mitbegründer, steter Wegbegleiter und Berater unseres Hauses.

Sein Fahrrad, eines seiner sichtbarsten Markenzeichen, hinterließ er der Zeitung seines Herzens. Am 7. Juni wäre „Christian“, wie ihn Fellows und FreundInnen nannten, 86 Jahre alt geworden. Am 5. Juni wird sein Fahrrad in unpoliert-originalem Zustand zum Objekt des Gedenkens. In einem kleinen Festakt wird dieses Naturbike – dann – als Kunstwerk präsentiert. Ausführlicher wird hierzu auf der „Aus der taz“-Seite vom 31. Mai zu lesen sein. Wir erinnern uns dann sichtbarer an ihn. Gut so, diese taz-Art des Personenkults. Jan Feddersen

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