: „sun“ stützt blair
Platz an der Sonne
Die Sun wusste es als Erste. „Wahltag ist offiziell am 3. Mai“, verkündete das Boulevardblatt im März auf der Titelseite. Die Unterzeile lautete: „Die Sun hat die ganze Zeit Recht gehabt.“ Alastair Campbell, Tony Blairs Pressesprecher, hatte ein Geschäft mit der auflagenstärksten britischen Boulevardzeitung aus dem Imperium des Medienzaren Rupert Murdoch (Foto) gemacht: Für die Exklusivnachricht über den Wahltermin sollte das Blatt seine Leserschaft zur Wahl der Labour Party aufrufen. Beim Labour-Wahlsieg 1997 spielte die Unterstützung der Sun eine nicht unerhebliche Rolle.
Ende voriger Woche steckte Campbell in der Klemme. Sein Chef hatte beschlossen, die Wahlen zu verschieben. Wie würde der kleinformatige Schmutzkübel darauf reagieren? Schließlich hatte die Sun gewarnt, dass ihre Hilfe für Labour bei einer Wahlverschiebung keineswegs garantiert sei.
Also machte Campbell erneut ein Geschäft mit der Sun. Am Freitag steckte er dem Blatt, dass die Wahlen erst am 7. Juni stattfinden würden, und einen Tag später meldete die Zeitung auf Seite 1: „Wahlen abgesagt.“ Und darunter: „Nun ist es der 7. Juni, denn für Blair ist das Land wichtiger als die Partei.“ In einem Kommentar beglückwünschte die Zeitung den Premier zu seiner „mutigen Entscheidung, die riskanteste Option zu wählen“. RASO
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen