press-schlag: Business und die Liebe zum Spiel
Beim Streit der Fifa mit der Uefa geht es um Milliarden. Unten in der Regionalliga geht es um Fußball
Das Ende des Fußballs, wie wir ihn kannten? Vielleicht nicht ganz. Das Ende des Fußballs, wie ihn sich Investoren vorstellen? Das wäre doch mal eine gute Nachricht. Das Aus für die Fifa? Da könnte man ja glatt die Sektkorken knallen lassen. Keine Fußball-WM mehr? Halb so schlimm. Oder gibt es da draußen jemanden, der das Marketingspektakel, das da vor zwei Wochen in den USA zu Ende gegangen ist, wirklich noch feiern konnte, nachdem das Weiße Haus ein Mitspracherecht in sportlichen Belangen erwirkt hat?
Hinter dem Fußball liegt eine Woche des Wahnsinns. Seit bekannt wurde, dass die Fifa Anteile an ihren großen Turnieren an Investoren aus dem Clan von US-Präsident Donald Trump verkaufen möchte, überschlagen sich die Meldungen. Die europäische Fußball-Union Uefa, selbst höchstbegabt im Verkaufen des Spiels, geriert sich als Anwalt des wahren Fußballs. Ein Boykott aller Fifa-Turniere steht sogar im Raum. Auch der Fußballverband für Nord- und Mittelamerika will nichts von Investoren wissen.
Derweil hält die Fifa ihr erpresserisches Angebot für den Deal aufrecht und versucht die Verbände mit dem Versprechen von Millionenzahlungen zu ködern. Nach der WM in Mexiko, Kanada und den USA, mit der die Fifa 15 Milliarden US-Dollar umgesetzt hat, wird um den nächsten Milliardendeal gerungen. Es ist ein abscheuliches Spektakel.
Ist der Fußball am Ende? Nein, das Spiel ist quicklebendig. Im München ist gerade zu beobachten, wie ein Verein mit großer Vergangenheit und bescheidener Gegenwart gerade versucht, sich neu zu erfinden. Der TSV 1860 München hatte sich vor 15 Jahren in der Hoffnung auf eine goldene Zukunft als Zweitligist an einen Investor verkauft. Was folgte, waren der Absturz in die vierte Liga, ein paar traurige Jahre in der dritten Liga und am Ende der Lizenzentzug und die Insolvenz der Gesellschaft, in der der Profifußball organisiert war.
Der vermeintliche Totalabsturz bedeutete die Befreiung vom Investor, der den Klub nach seinem Gusto führen wollte, obwohl den Regeln nach immer der Trägerverein, der gute, alte e. V. das Sagen haben sollte. Vorbei! Nun herrscht Euphorie in weiten Teilen der Fanszene. 1.000 Leute sollen am Mittwochnachmittag gekommen sein, um das letzte öffentliche Training des Teams vor dem Saisonauftakt in der Regionalliga verfolgen zu können. Der Run auf die Dauerkarten nimmt kein Ende. Die Mitgliederzahl des Vereins schnellt in die Höhe und liegt nun bei über 29.000. So viele Löwen gab es noch nie. Die ärgern sich gewiss, dass das Wappentier nicht auf den neuen Trikots zu sehen ist, weil die Markenrechte daran noch dem Investor gehören, aber sie saufen ihren Klub gesund.
Über 40.000 Euro wurden bei der Aktion „Giesing hält zam“ für den Klub eingenommen, nachdem Wirte sich bereit erklärt hatten, 60 Prozent eines Tagesumsatzes dem Verein zu spenden. Und über 350.000 Euro sammelten Fans via Crowdfunding ein, um sich einen Platz auf dem Trikot der Mannschaft zu sichern. Mit der Botschaft „Football for the People“ sollen die Spieler nun auflaufen. Mit dem großen Business von Fifa und Uefa hat all das nichts zu tun. Mit Fußball schon. Der ist so leicht nicht kleinzukriegen – auch nicht von Gianni Infantino. Andreas Rüttenauer
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