kinder, kinder: Weniger Fest, mehr Politik
Es ist lobenswert, dass mit Weltvegetariertag (am 1. Oktober), Welttag des Friedens (heute) oder dem Weltkindertag (gestern) die globale Gemeinschaft sich Erinnerungstermine setzt. Ach ja, wie geht es eigentlich den Salatfreaks, oder: Wie war das doch gleich mit den vergessenen Kriegen? Seit 1954 empfehlen die Vereinten Nationen, einen Weltkindertag abzuhalten.
Kommentarvon ADRIENNE WOLTERSDORF
Zunehmend müssen wir uns eingestehen, dass dieser Tag, der ursprünglich auf die Kinderschicksale in den Krisenregionen dieser Welt aufmerksam machen sollte, auch hier bei uns dringend Bewusstsein schaffen muss. Nur zur Erinnerung: In Berlin lebt jedes siebte Kind in Armut, so heißt es im Hauptstädtischen Familienbericht vom April dieses Jahres.
Hinzu kommt, dass den Hauptstadtpolitikern angesichts der leeren Haushaltskassen nichts Besseres einfällt, als unter anderem die Sozialhilfe kürzen zu wollen, die überwiegend von allein erziehenden Müttern bezogen werden muss. Auch wollen sie Kita-Gebühren erhöhen und die Betreuungsdichte reduzieren.
Machen wir uns nichts vor. Grußworte und ein tolles durchpädagogisiertes Kindertagsfest können kaum darüber hinwegtäuschen, dass vielen Kindern eine Aussicht auf Chancengleichheit bei Bildung und Versorgung nicht mehr gegeben ist. Im Gegenteil. Der harte Sparkurs, von den Kassenwärtern gefordert, trifft insbesondere die Jüngsten der Gesellschaft zwei- und dreifach.
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