: Warum bei Hitze in Uganda die Sauna voll ist
In Afrika sind Überschwemmungen und Dürre schon lange das „neue Normal“. Auch Viren übertragen sich schneller. Die neueste Lösung: Dampfbadbesuche
Aus Kampala Simone Schlindwein
Mit ein wenig Schadenfreude schaut man dieser Tage aus Afrika gen Europa, wo Wälder in Flammen stehen und die Zahl der Hitzetoten steigt. Denn bislang waren vor allem afrikanische Regionen vom zunehmenden Klimawandel enorm betroffen: von extremer Dürre, die zu Ernteausfällen, Cholera und Hungertod führen – wie derzeit in Ugandas nordöstlicher Region Karamoja – bis zu Starkregen und Überschwemmungen, die ganze Großstädte unter Wasser setzen. In Afrika ist dies seit vielen Jahren das „neue Normal“, auf welches sich die Menschen einstellen müssen.
Nun also wachen auch die Europäer endlich auf und erkennen, dass sie ebenso dringend etwas an ihrem Lebens- und Konsumstil ändern müssen, um nicht selbst an den Folgen des Klimawandels zu sterben. „Warum bringen die CO2-Zertifikate aus den Landnahmen in Afrika nichts?“, postet der kenianische Umwelt- und Artenschützer Mordecai Ogada auf der Onlineplattform X. „Reduziert die Emissionen und hört auf mit dem Quatsch!“ Denn in den vergangenen Jahren haben die Europäer enorm viel Geld ausgegeben, um den Klimawandel, der vor allem durch westliche Industrienationen verursacht wurde, durch Naturschutzanstrengungen in Afrika und dem Globalen Süden aufzuhalten.
Dies hat in vielen afrikanischen Ländern zu Landkonflikten geführt – vor allem durch die rasante Zunahme von sogenannten CO2-Offset-Projekten, die von westlichen Industrienationen und ölproduzierenden Staaten präferiert werden. Dass die Europäer und andere westliche Konsumgesellschaften endlich anfangen müssen, ihren eigenen Konsum drastisch zu reduzieren – das fordern afrikanische Umweltschützer schon lange, stoßen aber auf taube Ohren.
Die Hitze in Europa sollte nun endlich ein Weckruf sein. In Afrika rüsten sich die Gesellschaften derzeit gegen die Folgen des anstehenden „Super-El-Niño “, der von Experten für die zweite Jahreshälfte angekündigt wird. Die Anzeichen sind am Äquator bereits spürbar: Die Nächte sind ungewöhnlich kalt, die Tage heißer als gewöhnlich. Über dem gewaltigen Victoriasee in Ostafrika ballen sich dieser Tage dunkle Gewitterwolken. Sie lassen bereits jetzt erahnen, dass die nächsten Regenfälle das ganze Land fluten können.
Klimaexperten der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) kalkulieren bereits, dass das Extremwetter den Kontinent 10 bis 20 Milliarden US-Dollar allein in diesem Jahr kosten könnte. „Allein dieses Ereignis wird das BIP der stark betroffenen Länder im Durchschnitt um 1 bis 2 Prozent reduzieren“, so AfDB-Klimaexperte Anthony Nyong.
Besonders betroffen seien vor allem die Krisenländer wie Südsudan, DR Kongo, Somalia, Nigeria und Sudan. „Wenn El Niño kommt, wird es zu einer Massenmigration kommen“, warnt Nyong. Doch statt den Klimawandel drastisch anzugehen, hätten die Europäer entschieden, einen Zaun um ihren Kontinent zu errichten, um Migranten fernzuhalten. „Es ist für sie billiger, einen Zaun zu bauen“, so Nyong.
In den Tropen macht sich das Extremwetter dieser Tage bereits in den Krankenhäusern bemerkbar. Denn bei Trockenheit, Hitze und dem damit einhergehenden starken Wind verbreiteten sich in diesen äquatornahen Breitengraden Viren deutlich stärker als sonst. Die Schleimhäute der Menschen sind aber durch die Trockenheit nicht in der Lage, diese Viren abzuwehren. Das zeigt sich deutlich daran, dass in Ostafrika schon seit Wochen eine starke Grippewelle grassiert.
So kommt es, dass in Ugandas Hauptstadt Kampala dieser Tage die zahlreichen Saunen und Dampfbäder überfüllt sind. Denn dort findet sich die Mittelklasse ein, um der Trockenheit zu entfliehen und damit der Grippe vorzubeugen. In Anbetracht der derzeitigen Hitzewelle hat ein Saunagang bei 90 Grad zudem einen weiteren positiven Effekt: Hinterher fühlen sich 30 Grad plus auf der Straße geradezu erfrischend an.
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