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heute in bremen„Hier werden die Grenzen aufgebrochen“

Gertrud Schleising

65, ist freiberufliche Künstlerin und Vorstandsmitglied vom „Verein 23 zur Förderung intermedialen Kulturaustausches“ mit Sitz im Güterbahnhof.

Interview Dana Ehlert

taz: Frau Schleising, was hat ein Wochenmarkt mit Kunst zu tun?

Gertrud Schleising: Auf den ersten Blick vielleicht erst einmal nichts, aber Kunst ist ja auch eine Ware. Emotionale, künstlerische Impulse können als verführerisches Anregungs- und Genussmittel gesehen werden. Die Ausein­andersetzung mit Kunst kann aber auch als ein Warenaustausch von Gedanke zu Gedanke verstanden werden. Warum sollte Kunst immer nur in Museen zu finden sein? Hier werden die Grenzen aufgebrochen.

Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch?

Mit der Wochenmarkt-Galerie ist es möglich, einen anderen Fokus auf die Bremer Kunstszene zu legen. Wir möchten jetzt die Gelegenheit nutzen, die Arbeit der Künstlergemeinschaft des Güterbahnhofs nach außen zu tragen und den Ort zu bewerben, der sich gerade im Wandel befindet. Insofern ist eine Auslagerung unserer Zusammenarbeit in so eine Wochenmarktsituation geradezu genial. Wir streben etwas Interaktives an.

Was gibt es hier zu entdecken?

Es wird auch für mich genügend Überraschungen geben. Eine Musikerin wird dabei sein. Ich weiß nicht, ob sie mit der Gitarre oder mit der Mundharmonika kommt. Außerdem wird ein Film gezeigt. Mit diesem gelingt ein Hineinschnuppern in die verschiedenen Bereiche des Künstlerareals. Der Güterbahnhof ist ja quasi eine Industriebrache. Die Räumlichkeiten sprechen davon. Die Besucher können in Künstlerbüchern und Regalen schmökern. Man kann sich in Ruhe setzen und blättern. Eben eine ganze Produktpalette. Einzelne Werke und Stücke sind auch käuflich zu erwerben. Es gibt Souvenirs und ein Gewinnspiel.

Was genau kann man sich unter der „Produktpalette“ vorstellen?

WochenmarktGalerie von Open Space Domshof mit Künstler*innen des Güterbahnhofs, 9 Uhr, Domshof

Postkarten und kleine Objekte sind zu sehen – verschiedenes, was man braucht, um den Alltag zu bestreiten. Die Besucher können ruhig nah ran. Einmalhandschuhe sind vor Ort. Somit kann – trotz Corona – alles angefasst und entdeckt werden.

Fließt das Thema „Corona“ auch in die Werke mit ein?

Inwieweit das schon in den Arbeiten integriert ist, ist eine gute Frage. Auf jeden Fall herrscht gerade ein Ausnahmezustand. Die Gedanken kreisen darum, was man bis dato als „normal“ verstanden hat, was wir unter Wirtschaft verstehen. Der Veranstaltungsstopp hat alle stark betroffen. Selbst wenn es nicht in die Werke sickert, es betrifft uns alle.

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