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familientrennung

Abschiebepraxis

Das Gutachten der Charité ist eindeutig. Der sechsjährige Rajko (Name geändert), in Berlin geboren, sei „zu achtzig Prozent behindert“ und durch eine angeborene Seh- und Gehbehinderung sowie eine verzögerte geistige Entwicklung „hilflos“. Weiter diagnostizieren die Ärzte: „Eine nicht aus dem normalen Tagesablauf bekannte längere Abwesenheit der Mutter verstört ihn sehr“, Rajko benötige Sicherheit. Die gibt es für den serbischen Roma-Jungen seit vergangenen Mittwoch nicht mehr. Da ließ die Ausländerbehörde seine allein erziehende Mutter nach Belgrad abschieben. Rajko blieb bei entfernten Verwandten in Berlin zurück. Auch den Verwaltungsrichtern, die gegen einen Abschiebstopp für die Mutter entschieden, war Rajkos Schicksal egal. Das Kind könne auch in einer öffentlichen Einrichtung betreut werden, befanden sie. Die ärztliche Diagnose, der Junge benötige viel Zuwendung, ignorierten Richter und Ausländerbehörde. Deren Logik: Rajkos Mutter sei vorbestraft und schon seit längerem zur Ausreise verpflichtet. Rechtsanwalt Martin Rubbert hält das Vorgehen der Ausländerbehörde trotzdem für skandalös. Just als Polizisten Rajkos Mutter abholten, verhandelte der Anwalt über das weitere Schicksal seiner Mandantin mit der Behörde. Dass die 35-Jährige schon auf dem Weg zum Abschiebeflugzeug war, erfuhr er erst nach seiner Rückkehr ins Büro.

Rajko ist nicht das einzige Roma-Kind, das durch die Ausländerbehörde zwangsweise von seinen Eltern getrennt wurde. Anfang November blieb ein Achtjähriger bei der Abschiebung seiner Eltern allein in Berlin zurück. Am gleichen Tag wurden die 13- bis 17-jährigen Schulkinder einer Roma-Familie mitsamt Vater ohne Gepäck in den serbischen Winter abgeschoben. Ihre Mutter darf noch einige Monate in Deutschland bleiben. HKL

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