druck🐾schluss:
Ungeduldig vor dem Plumpsklo
Adieu Printtaz! Adieu Haptik. Nicht länger werden Nachrichten gepaart sein mit dem Gefühl, die Information direkt anzufassen. Das sei, so wird gesagt, unschätzbar. Bereits beim Papierrascheln werde an Unglück, Desaster, Regierungskrise gedacht. Auch an Klatsch aus der VIP-Welt. Wer die papierne Zeitung liest, hält das Schicksal der anderen in den Händen. Der Mehrwert der Haptik aber ist schöner Schein.
Meine erste händische Begegnung mit Zeitungspapier geschah auf dem Plumpsklo meines Großvaters. In seinem Bauernhaus gab es keine Toilette, die war draußen in einer extra Holzhütte. Man setzte sich dort auf eine Art Bank, in der ein Loch war. Daneben hing an einem riesigen Nagel ein Packen fein säuberlich in Karrees gerissenes Zeitungspapier. Es war die Aufgabe der Großmutter, die Badische Zeitung auf diese Art kunstgerecht zu Klopapier zu recyceln. Die Seite mit den Todesanzeigen sparte sie meistens aus, es sei denn, die Anzeige war für jemanden, den sie nicht leiden konnte.
Jetzt kommt die Haptik ins Spiel. Das Papier musste zusammengeknüllt und -gedrückt werden, damit es weicher wurde und weniger schnell riss. Manchmal lag auch eine noch ganze Zeitung da. Hatte jemand Verstopfung, lenkte er sich mit Gedrucktem ab. Und: Mit Zeitung auf „dem Thron“ hatte man Macht. „Mach schneller!“, schrien tänzelnd oder gekrümmt die vor der Tür mit ausgesägtem Herzen.
Waltraud Schwab ist seit 2002 taz-Redakteurin.
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Unter diesem Motto schreiben wir in Reportagen und einer Kolumne ab jetzt auf, was uns bis zum Ende der gedruckten Werktagstaz erinnernswert scheint. Viel Holz also noch bis zum 17. Oktober. Alle Zukunftsinfos unter taz.de/seitenwende.
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