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dokuDie Rapmaschine

Die Doku „Barbara – Becoming Shirin David“ zeigt das erfolgreiche, aber einsame Leben der Rapperin

Die Rapperin Shirin David steht fertig gestylt hinter dem Vorhang kurz vor ihrem Auftritt und kämpft mit Unterleibsschmerzen. Ihr Manager versucht sie zu motivieren, sie sagt: „Ich will einfach nur ins Bett.“ Diese Szene zeigt das zentrale Motiv der Netflix-Doku „Barbara: –Becoming Shirin David“: David ist auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs – und zerbricht gleichzeitig fast an ihrem Perfektionismus und dem kapitalistischen Rapbusiness. Minutiös geplante Auftritte, strenge Selbstdisziplin, dauernde Kontrolle über das eigene Image. Shirin David arbeitet permanent an sich. Dabei bekommen wir auch die Schattenseiten des Business gezeigt. Hasskommentare, sexualisierte Angriffe und Erwartungen an ihr Aussehen gehören zum Alltag. Eindrücklich ist etwa eine Szene, in der sie gefragt wird ob sie Ozempic nehme. „Ich esse nichts“, antwortet sie da. Die Message der Doku: Du kannst alles schaffen, wenn du nur hart genug an dir arbeitest. Und wenn du dann Geld hast, kannst du dir auch alle Schönheitsoperationen leisten, die dich noch perfekter machen. Diese Bilder zu verbreiten, ist toxisch und besonders traurig, weil David eigentlich mal für feministische Themen und Empowerment von Frauen im Rap stand. Es hätte der Doku gutgetan, sie an einigen Stellen zu brechen und transparenter mit Kritik umzugehen. Es gibt vul­ne­rable Momente, wenn sie etwa über Erschöpfung spricht oder dass sie gern eine Therapeutin hätte. Es ist der Versuch, zu zeigen, wer hinter der Kunstfigur steckt. Darüber erfahren wir nur leider sehr wenig. Wo in anderen Dokus etwa über Haftbefehl oder Apache Männer sitzen und ihren Rapkollegen für weitaus weniger Leistung mit Lob überschütten, sehen wir hier nur ihre Schwester, ihre Mutter und ihren Manager, den sie als ihren einzigen Freund bezeichnet. So bleibt der Erkenntnisgewinn über die Privatperson Barbara Schirin Davidavičius klein – aber laut David hat sie sowieso kein Privatleben. Ann-Kathrin Leclère

„Barbara – Becoming Shirin David“, Netflix

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