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die wahrheitKrötendrama auf der Insel

In England ist derzeit die Hölle los: "Terror!", schreit es von allen Dächern und aus allen Fenstern. Blanke Angst geht um. Mütter holen die Wäsche von der Leine ins Haus und...

In England ist derzeit die Hölle los: "Terror!", schreit es von allen Dächern und aus allen Fenstern. Blanke Angst geht um. Mütter holen die Wäsche von der Leine ins Haus und sperren die Kinder in sichere Zwinger. Der Jüngste Tag scheint gekommen zu sein. Chaos regiert ganz unbritisch die Insel. Doch dieses medienwirksame Spektakel ist nur ein winziger Furz, verglichen mit dem wahren Drama, das sich zeitgleich im Lande des tapferen König Artus abspielte und von dem hier berichtet werden soll.

Es begab sich nämlich, dass eine Dame und ein Herr, nennen wir sie zum Schutze ihrer Persönlichkeit an dieser Stelle Frau D. und Herr H., aus beruflichen Gründen ins Reich der gebackenen Bohnen reisten und in Manchester ein Hotel bezogen. Am nächsten Tag erledigten sie einen Auftrag, um dann schnurstracks in die wildromantischen Sturmhöhen der Waliser Berge weiterzureisen.

Nun muss man von D. wissen, dass sie nie, aber auch wirklich niemals ohne ihre Stoffschildkröte Timothy anzutreffen ist. Die Kröte ist seit Menschengedenken D.s ständiger Gefährte, ja, quasi ihr Vertrauter und Berater, ihr Gewissen und ihre Seele.

Ein donnerndes Gewitter ließ das einsame, abgelegene Haus an den schroffen Klippen der Nordküste von Wales erbeben - ein lascher Vorgeschmack von dem, was nun folgen sollte: Aufgeschreckt durch den Donner, durchsuchte D. auf dem Dachboden schläfrig ihren Rucksack nach besagter Schildkröte - "Krawäääääää!!!", scholl es durch das einsame Haus, so laut, dass alle sechs Bewohner vor Schreck senkrecht aus den Betten fuhren. Was war geschehen? Timothy, die Stoffschildkröte war nicht aufzufinden!

Es war tief in der Nacht, als H. die Bewohner des einsamen Hauses zu einer Krisensitzung zusammentrommelte und ein Brainstorming einleitete. Ob D. sicher sei, die Kröte überhaupt aus Deutschland mit nach England gebracht zu haben und wo D. die Kröte zum letzten Mal gesehen habe, wollte H. wissen. D. gab kleinlaut zu, dass sie die Kröte wahrscheinlich im Hotel in Manchester vergessen habe.

Die Herrin über das einsame Landhaus verlor keine Sekunde und rief im Hotel an. Doch um die nächtliche Stunde hatten sich in Manchester offensichtlich Zombis der Hotelrezeption bemächtigt. "Umpf" und "Urgh" tönte es durch den Telefonhörer. "Umpf" und "Urgh" tönte es auch nur noch kehlig aus D.s leidverzerrtem Mäulchen. Es nütze alles nichts, entschied nun H., man müsse wohl bis zum nächsten Morgen warten, und vor dem Heimflug einen Umweg über Manchester in Kauf nehmen, um das Hotel höchstselbst nach der Kröte zu durchsuchen.

Gesagt, getan - jedenfalls beinahe. Nach stundenlanger Autofahrt wieder in Manchester angekommen, mussten D. und H. erfahren, dass die Bediensteten ehemaligen Gästen nicht erlauben wollten, das Hotel zu durchsuchen. Auch saß der Termin des Heimflugs beiden im Nacken. Zudem gab es überall Verzögerungen und Verspätungen aufgrund nebensächlicher Ereignisse. So kam es, dass D. und H. unverrichteter Dinge und ohne Kröte, geschlagen und gedemütigt, den Weg zum Flughafen antraten.

Da war es kaum mehr von Belang, dass das Flughafenpersonal D.s Rucksack mit einem Detektor durchsuchte und zwar eine teure Bodylotion beschlagnahmte, das Taschenmesser und die beiden Feuerzeuge hingegen anstandslos durchgehen ließ.

Aber Geschichten sollen ja immer gut ausgehen: Die geliebte Schildköte wurde doch noch gefunden. Der Housekeeper des Hotels konnte überredet werden, Timothy gegen eine nicht geringe Gebühr per Post nach Hause zu schicken. Hoffentlich macht jetzt die Post keinen Quatsch.

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