das portrait: Verdienstorden für CDU-Steuervermeider Helmut Linssen
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Am Rhein galt Helmut Linssen einmal als politisches Schwergewicht. Der 77-Jährige war Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU, Landtagsfraktionschef, von 2005 bis 2010 Finanzminister. Danach wechselte er als Finanzvorstand zur RAG-Stiftung, die die Ewigkeitskosten des Bergbaus abfedern soll. Am heutigen Freitag will NRW-Ministerpräsident Armin Laschet seinen Parteifreund ehren: Zusammen mit 13 Bürger*innen bekommt Linssen den Landesverdienstorden – stilecht im „westfälischen Versailles“, dem Wasserschloss Nordkirchen.
Nicht nur Politiker*innen von Grünen und SPD halten das für einen schlechten Scherz. Denn die größten bundesweiten Schlagzeilen hat der Katholik aus Geldern am Niederrhein mit dubiosen Geschäften in Steueroasen gemacht. 2014 deckte der Stern auf, dass Linssen in den Neunzigern 829.322 D-Mark bei der Luxemburger Filiale der Bank Trinkaus & Burkhardt eingezahlt hat – in bar. Danach wanderte das Geld in eine Briefkastenfirma auf den Bahamas. Bekannt werden sollte das nicht: Auf den Bankpapieren hatte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler „Selbstabholung“ als Rückgabeform angekreuzt – so war sicher, dass keine verdächtige Post nach Deutschland ging.
Am 29. Dezember 2004 wurde das Konto geschlossen. Kurz darauf wurde der Hobbyschafzüchter Teil des „Kompetenzteams“ von CDU-Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers und nach dessen Wahlsieg Landesfinanzminister. Unter Linssen begann das NRW-Finanzministerium dann mit dem Kauf von CDs mit Daten von Steuerflüchtigen. Ironie des Schicksals: Auf einer von seinem SPD-Nachfolger Norbert Walter-Borjans erworbenen Discs fanden sich auch die Daten der dubiosen Steueroasen-Geschäfte von Linssen. Bestraft wurde er nur deshalb nicht, weil er in der noch nicht verjährten Zeit keine Gewinne gemacht hatte – und deshalb auch keine Steuern fällig wurden. Als Bundesschatzmeister der CDU trat er drei Tage nach Bekanntwerden dennoch zurück. Seinen mit 650.000 Euro jährlich bezahlten Posten bei RAG aber behielt er. Andreas Wyputta
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