boulevard des besten: FLINTA*-Streikin der taz
Es war nicht der erwartbarste Satz: „Ich hab gemerkt, wie gern ich bei der taz arbeite“, sagte eine der Mitorganisator*innen des Flinta-Streiks bei der taz am Tag danach auf der Großen Konferenz. Der Austausch und die vielen Forderungen beim Streikplenum hätten durchaus auch andere Aussagen gerechtfertigt.
Die Bewegung Enough hatte zu einem Globalen Frauenstreik am 9. März, also am Tag nach dem Internationalen Frauentag aufgerufen. Es ging um Zeichen gegen die neue Geopolitik mit ihren hypermaskulinen Rollenbildern, gegen das genderpolitische Rollback.
In der taz machten Frauen, Lesben, Inter, Non-binäre, Trans* und Agender Personen (Flinta*) die Kantine im Erdgeschoss zu einem Streikposten. Für alle anderen bedeutete das: Flucht nach vorn, die Plätze frei lassen, wo die streikenden Flinta* fehlten, nicht planten, schrieben, redigierten, korrigierten, bebilderten oder dokumentieren.
Auf der Website und im E-Paper wurden die Leser*innen mit vielen erkennbaren Leerstellen konfrontiert. Und auch die Kollegen im Verlag machten einen Tag mal alles allein. Manch eine* haderte im Nachhinein trotzdem mit dem Ergebnis: „Das hätte alles noch viel sichtbarer sein können.“
Aber nach dem Streik ist vor dem Besser-machen: Auf dem Plenum ging es um Arbeitsbedingungen, Klima und Kultur in der taz. Geld spielte eine große Rolle. Die mitstreikende taz-Vorständin versicherte aber, einen Gender Pay Gap gebe es in der taz nicht, die Lohnspreizung sei im Vergleich mit anderen Häusern sehr gering. An den Tischen stellten die Anwesenden die bemängelte fehlende Transparenz zumindest untereinander her: Ich habe netto soundsoviel, ich bekomme eine Zulage. Die Konsequenz: Lasst uns eine Tarifkommission beantragen und dort mitmachen!
Schwieriger war ist es mit dem, was auch in der taz an problematischer BroCulture vorkommt: Was tun gegen das mehr oder weniger gönnerhafte Ausspielen von angeblicher Überlegenheit? Mehr Flinta* in den Betriebsrat ist ein Vorschlag. Interessierte Kandidat*innen finden sich sofort. Und: Die Vernetzung über Verlag und Redaktion, über Hierarchien und Altersklassen hinweg muss unbedingt bestehen bleiben, Flinta*-Solidarität ist immer und überall gefragt. Und möglich. Beate Willms
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen