american pie :
Samantha Smith zählt zu den besten Nachwuchsfußballerinnen in den USA. Und startet bei den Olympischen Winterspielen in Italien im Skilanglauf
Sonderlich viel Zeit hat Samantha Smith nicht gehabt, die Enttäuschung zu verarbeiten. Nur knapp war sie am 8. Dezember im Finale des prestigeträchtigen College Cup mit ihrem Uni-Team aus Stanford den Fußballerinnen aus Florida State unterlegen. Trost mag der 20-jährigen Verteidigerin die große Bühne in Kansas City gewesen sein. Mehr als 3.000 Zuschauer waren in Kansas City im Stadion. Und etliche Profiteams der National Women’s Soccer League (NWSL) dürften an diesem Abend nach Spielerinnen Ausschau gehalten haben, die sie mit einem Profivertrag ausstatten können.
Vor allem aber dürften die talentierte Fußballerin, die bereits in der U17- und U19-Auswahl der USA stand, schon kurz nach dem Schlusspfiff die anstehenden Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo abgelenkt haben. Anfang Januar bei den nationalen US-Langlaufmeisterschaften sicherte sie sich trotz kürzester Vorbereitungszeit mit Siegen im Skating-Sprint und im klassischen Sprint ihr Olympia-Ticket.
Wegen des dichten Fußballspielplans davor feierte sie erst am 17. Januar im thüringischen Oberhof ihr Weltcupdebüt als Wintersportlerin. Im Sprint glückte ihr gleich der 12. Platz, noch vor der erfahrenen Landsfrau Jessie Diggins, 34, die 2018 und 2022 immerhin insgesamt drei olympische Medaillen für die USA erlief und die Starläuferin im Team ist. Diggins entfaltet ihre Stärken allerdings auf längeren Distanzen.
Samantha Smith sagt: „Es war immer mein Traum, die USA auf Olympia-Niveau zu vertreten – und das sowohl im Skilanglauf als auch im Fußball. Und ich werde alles dafür tun, um dieses Level in beiden Sportarten zu erreichen.“
Verbindung ist sehr besonders
Dass Sportler im Verlaufe ihrer Karriere sowohl im Sommer als auch im Winter olympische Wettkämpfe bestritten haben, ist für sich genommen nicht ungewöhnlich. Gerade Sprinterinnen und Sprinter aus der Leichtathletik sind in der Welt des Bobsports als Anschieber hoch begehrt. Bei den anstehenden Winterspielen in Italien ist Kelsey Mitchell, die kanadische Radsportlerin und Goldmedaillengewinnerin von Tokio 2021, als Bobfahrerin gemeldet. Zuweilen gibt es auch ungewöhnlichere Verbindungen. So verstärkte einst Vsevolod Bobrov die russische Olympia-Auswahl 1952 und trat vier Jahre später bei den Olympischen Winterspielen im russischen Eishockeyteam an.
Die Kombination aus Fußball und Skilanglauf ist indes sehr besonders. Freilich hätte die Sportkarriere von Smith auch andere Verbindungen möglich gemacht. Während ihrer Schulzeit spielte Smith noch American Football, Eishockey und nahm an Leichtathletik-Rennen teil. „Ich habe so viel gemacht, wie ich konnte“, berichtet Smith.
Ihr vielseitiges Programm betrachtet die junge Athletin mehr als Vorteil denn als Belastung. Grundsätzlich schätzt Smith die Gefahr des Burn-out derzeit insbesondere bei Athletinnen als hoch ein. Sich selbst sieht sie offenbar durch die Abwechslung besser geschützt. „Ich habe das Training immer genossen, habe mich darauf gefreut, hatte Spaß in Wettkämpfen und dabei, das in verschiedenen Situationen zu erleben.“
Komplikationen bei der Zeitplanung von zwei Sportkarrieren kann Smith nicht abstreiten. Sie versucht, so gut es geht, alles zusammenzudenken. „Jedes Training, das ich mache, wird mir in beiden Sportarten zugutekommen.“ Produktivität und Effizienz, betont sie, seien für sie die beiden wichtigsten Dinge.
Bei der Junioren-WM 2024 in Slowenien gewann Samantha Smith die Silbermedaille im Sprint. Mit einem ähnlichen Erfolg ist bei den Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo eher nicht zu rechnen. Aber immerhin kam sie im Teamsprint beim Weltcup im schweizerischen Goms vergangenes Wochenende mit ihren Kolleginnen auf einen fünften Platz. Johannes Kopp
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