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Zugunglück in SpanienZahl der Toten auf 39 gestiegen

Am Sonntagabend sind zwei Züge in Südspanien entgleist und kollidiert. Mindestens 39 Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno spricht vor einem Sportzentrum, das für die Verletzten umgenutzt wurde Foto: Francisco J. Olmo/Europa Press/dpa

ap | Bei einem Zugunglück im Süden Spaniens ist die Zahl der Toten auf mindestens 39 gestiegen. Dies meldete der staatliche TV-Sender RTVE unter Berufung auf die Polizeieinheit Guardia Civil. Zunächst war von 21 Toten die Rede. Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente bestätigte nach Mitternacht die kleinere Zahl der Todesopfer und warnte bereits, dass noch mit weiteren Opfern zu rechnen sei. Der Regionalpräsident von Andalusien, Juanma Moreno, erklärte, 75 Passagiere seien ins Krankenhaus eingeliefert worden, die meisten davon in der nahe gelegenen Stadt Córdoba, darunter 15 Menschen mit schweren Verletzungen. Moreno sagte, die Einsatzkräfte hätten die ganze Nacht hindurch gearbeitet.

Antonio Sanz, der regionale Gesundheitsminister der Provinz Andalusien, sagte, die Lage an der Unglücksstelle sei „sehr ernst“. „Wir haben eine sehr schwierige Nacht vor uns.“

Der Hochgeschwindigkeitszug von Málaga nach Madrid war am Sonntagabend gegen 19.45 Uhr aus den Schienen gesprungen und mit einem Zug kollidiert, der von Madrid in Richtung Huelva unterwegs war, wie der spanische Schienennetzbetreiber Adif mitteilte. Nach Angaben von Verkehrsminister Puente entgleiste der hintere Teil des ersten Zuges und prallte gegen die vordere Spitze des zweiten, wodurch die ersten beiden Waggons des Zuges aus den Schienen geschleudert wurden und eine vier Meter tiefe Böschung hinunterstürzten. Medienberichten zufolge befanden sich in den beiden Zügen insgesamt rund 500 Fahrgäste.

Vorfall wirft Fragen auf: „Wirklich seltsam“

Puente erklärte, die Ursachen des Unfalls seien noch unbekannt. Er bezeichnete den Vorfall als „wirklich seltsam“, da er sich auf einem ebenen Streckenabschnitt ereignet habe, der erst im Mai instand gesetzt worden war. Laut Puente war der entgleiste Zug weniger als vier Jahre alt.

Salvador Jiménez, Journalist des spanischen Senders RTVE, der in einem der Züge unterwegs war, sagte der AP am Telefon: „Es fühlte sich wie ein Erdbeben an.“ Er erklärte, dass Fahrgäste Notfallhämmer genutzt hätten, um Fenster einzuschlagen, und dass einige unverletzt entkommen konnten. Videos von der Unglücksstelle zeigen Menschen, die aus Fenstern kletterten, während die Waggons schräg lagen. Der Vorfall ereignete sich am frühen Abend, und Hunderte Überlebende mussten im Dunkeln gerettet werden.

Die regionale Leiterin des Zivilschutzes, María Belén Moya Rojas, sagte dem Sender Canal Sur, der Unfall habe sich in einem schwer zugänglichen Gebiet ereignet. Anwohner hätten Decken und Wasser zur Unglücksstelle gebracht, um den Betroffenen zu helfen.

Das Spanische Rote Kreuz richtete in der Ortschaft Adamuz nahe der Unglücksstelle ein Hilfszentrum ein, das den Rettungskräften sowie Menschen auf der Suche nach Informationen Unterstützung bot. Angehörige der spanischen Polizeieinheit Guardia Civil und des Zivilschutzes waren ebenfalls vor Ort im Einsatz und arbeiteten in der kalten, wolkenlosen Nacht. Nur Einsatzkräfte durften sich der Unglücksstelle nähern.

Adif teilte mit, dass der Zugverkehr zwischen Madrid und Städten in Andalusien am Montag nicht verkehren werde.

Regierung und Königshaus bekunden Anteilnahme

„Heute Abend ist eine Zeit tiefer Trauer für unser Land“, schrieb Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez auf X. „Ich möchte den Familien und Angehörigen der Opfer mein aufrichtiges Beileid aussprechen.“

Auch Spaniens König Felipe VI. und Königin Letizia bekundeten in den sozialen Medien ihr Beileid und ihre Anteilnahme.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte in einem Beitrag auf X, sie verfolge „die schrecklichen Nachrichten“ aus Córdoba. „Heute Abend seid ihr in meinen Gedanken“, schrieb sie auf Spanisch.

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