Zu wenig Tests in Betrieben: Unsinniger Widerstand
Massentests in den Betrieben wären ein wichtiger Baustein für den Gesundheitsschutz. Die Kosten sollte daher der Staat übernehmen.
D ie meisten Infektionen mit Covid-19 entstehen dort, wo Menschen zusammentreffen. Da ist es nur folgerichtig, beim Kampf gegen das Virus auch dort anzusetzen. Das machen Bund und Länder auch recht rigoros, wenn es um das Privatleben geht. Bei Betrieben scheut sich die Politik.
Dabei gibt es einen technisch einfachen Weg zu mehr Gesundheitsschutz. Regelmäßige Tests der Beschäftigten sollten überall zur Pflicht werden. Das ist grundsätzlich in aller Interesse. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer reduziert sich das Ansteckungsrisiko, für Unternehmen die Gefahr eines Super-Ausbruchs.
Trotz der auf der Hand liegenden Vorteile kommen die Massentests nicht recht in Gang, jedenfalls nicht in einem ausreichenden Umfang. Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft reicht also nicht. Die Testpflicht muss sie ersetzen. Doch auch hier ist Verlässlichkeit geboten. Dazu gehört eine klare Ansage, unter welchen Umständen und in welchem Umfang getestet werden muss. Dazu gehört auch eine Übernahme der Kosten durch den Steuerzahler. Damit dürfte die Motivation zu testen insbesondere bei kleineren Betrieben deutlich steigen.
Vor allem aber muss es überhaupt ausreichend viele Tests geben. Wenn dies nicht gewährleistet ist, kann so ein Gebot gar nicht umgesetzt werden. Allzu oft in den vergangenen Monaten hat die Politik mit zu optimistischen Angaben zu Lieferungen von Impfstoffen oder Testangeboten Luftnummern fabriziert.
Her mit den Selbsttests
Womöglich ließe sich der gewünschte Effekt auch durch Selbsttests erreichen, die jeder vor der Fahrt zur Arbeit schnell daheim erledigt. Damit wäre der bürokratische Aufwand, über den Unternehmen klagen, nahezu Null.
Der Widerstand aus der Wirtschaft gegen eine Testpflicht ist aus einem weiteren Grund schwer nachvollziehbar. Sollte die dritte Coronawelle tatsächlich immer höher schwappen, wird die Diskussion um eine zeitweilige Stilllegung der Produktion ebenfalls wieder aufkommen. Das wäre eine viel teurere Alternative zur regelmäßigen Überprüfung der Beschäftigten.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert