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Zentralrat der Juden und IranEine anmaßende Unterstellung

Gastkommentar von

Jonas Schnabel

Darf sich der Präsident des Zentralrats der Juden über den Angriff auf Iran positiv äußern? Eine Replik auf einen taz-Kommentar.

Menschen jubeln auf einer Iran-Demonstration auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor Foto: Christoph Soeder/dpa

E infach mal die Klappe halten“, fordert die taz-Journalistin Susanne Knaul in Richtung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie wirft ihm vor, den Krieg gegen das iranische Regime „bejubelt“ zu haben. Doch tatsächlich waren es andere, die jubelten – allen voran iranische Frauen. Die wohl mutigsten Feministinnen unserer Zeit. Nicht zu verwechseln mit jenen Gratismutigen, die aus sicherer Berliner Distanz nur dann Haltung demonstrieren, wenn Opfer und Täter in ihr aktivistisches Weltbild passen.

Bild: privat
Jonas Schnabel

ist freier Autor, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, und Funktionär beim jüdischen Sportverein Makkabi.

In Iran selbst tanzten und sangen sie auf den Balkonen der Städte und weinten vor Freude – ein Ausdruck der Hoffnung auf Freiheit nach Jahrzehnten der Unterdrückung. Ob diese wahrhaft starken Frauen sowie die vielen demokratisch gesinnten Iranerinnen und Iraner weltweit nach Ansicht der taz-Journalistin ebenfalls „einfach mal die Klappe halten“ sollten, bleibt offen. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, erklärte im Übrigen lediglich, dass das „Ende des Regimes in unserem nationalen Interesse“ liege. Eine sachliche Feststellung, angesichts der bestehenden Bedrohungslage eine nachvollziehbare Einordnung.

Als wäre das nicht genug, schreibt Frau Knaul zudem: „Musste das sein, fragen sich vermutlich vor allem die, die dem Judentum angehören.“ Diese Behauptung wirkt weniger wie eine fundierte Recherche, sondern vielmehr wie ein unbelegtes Bauchgefühl – eine anmaßende Unterstellung. Anmaßend, weil sie meint, stellvertretend für Jüdinnen und Juden sprechen zu dürfen. Über Jüdinnen und Juden wird in der öffentlichen Debatte generell häufig gesprochen, aber deutlich seltener mit ihnen. Wer hingegen tatsächlich das Gespräch in jüdischen Gemeinden in Deutschland sucht, stellt schnell fest, dass Frau Knauls Bauchgefühl vermutlich nicht der Realität entspricht. Viele begrüßen es ausdrücklich, wenn sich der Präsident des Zentralrats klar positioniert.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Insbesondere wenn wir von einem Regime sprechen, das am 8. und 9. Januar innerhalb von nur etwa 48 Stunden mutmaßlich rund 32.000 unschuldige Demonstrierende ermordet hat. Das Homosexuelle hinrichten lässt, Frauen unterdrückt und Menschen, die nicht in sein radikal-islamistisches, rückwärtsgewandtes Weltbild passen, in Foltergefängnissen verschwinden lässt. Dessen erklärtes Ziel die Vernichtung der rund 7,5 Millionen in Israel lebenden Jüdinnen und Juden ist. Das das sadistische Massaker und die Entführung Unschuldiger rund um den 7. Oktober 2023 nicht nur tolerierte, sondern aktiv finanzierte. Ganz zu schweigen von der Hisbollah, die Israel mit Waffen dieses Regimes beschießt, ist „einfach mal die Klappe halten“ keine angemessene Haltung. Im Gegenteil: Gerade unter diesen Umständen ist es richtig und notwendig, dass jemand, der ein Amt innehat, das ihn legitimiert, für Juden zu sprechen, sich klar äußert.

Angesichts der Tatsache, dass das Mullah-Regime für Jüdinnen und Juden die größte Bedrohung seit der NS-Zeit darstellt, sollte man speziell in Deutschland besonders vorsichtig sein, bevor man Jüdinnen und Juden in dieser Angelegenheit den Mund zu verbieten versucht. Anstatt mit vorschnellen Urteilen daherzukommen, wäre es angesichts der eigenen Geschichte wohl ratsam, diese Lektion in diesem Zusammenhang zunächst selbst zu beherzigen.

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2 Kommentare

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  • Ich halte Knauls Kritik für legitim, zumal sie ausdrücklich nicht Schusters Meinung kritisiert, sondern "nur" den Umstand, dass seine Stellungsnahme wie ein Sprachrohr der israelischen Regierung rüberkam. Ich füge hinzu, dass ich es prinzipiell schwierig finde, offiziell einen völkerrechtswidrigen Krieg zu bejubeln, obwohl auch ich hoffe, dass die iranische Zivilbevölkerung dadurch die Chance erhält, selbst über die künftige iransche Regerung zu bestimmen und jede zivilgesellschaftliche Bejubelung der Tötung führender Theokratie-Köpfe nachvollziehen kann. Zudem ist das Ergebnis völlig unklar. Es gibt viele extreme Diktaturen und nur wenige Beispiele bei denen Attentate und Angriffskriege Demokratisierung im Interesse der Zivilbevölkerung gebracht haben. Jüngere Beispiele: Libyen, Irak, Afghanistan. Trump macht keinen Hehl aus seinem "amerikanischen" Interesse in Venezuela und Iran: Der Schutz der Menschenrechte ist ihm egal. Es geht um Zugriff aufs Öl und geostrategische Interessen (Eindämmung des chinesischen Einflusses) und die Machtdemonstration. Die offene Ignoranz des Völkerrechs sehe ich zudem als große Gefahr für Zivilgesellschaften weltweit.

  • "Dessen erklärtes Ziel die Vernichtung der rund 7,5 Millionen in Israel lebenden Jüdinnen und Juden ist."

    Das lese ich immer wieder, aber bisher immer ohne saubere Referenz. Wo kommt diese Information her? Hat der Iran das in seiner Verfassung stehen?