Wortspielerei und Burata: Beim Lieblingsitaliener

Darf man mehr als einen Lieblingsfilm haben? Und wie steht es mit Eiswürfeln in Rotwein. Die Fragen des Sommers.

Ein italienisches Pastagericht mit Burata, einem Frischkäse

Nirgends kann man so schön über das Leben reden wie beim Lieblingsitaliener Foto: The Blackrabbit/Unsplash

Wenn ich nach meinem Lieblingsfilm gefragt werde, denke ich immer an Pretty Woman, obwohl ich den hasse!“, sagt die Freundin und zerhackt ihre Burata.

„Vermutlich ist es dein Unlieblingsfilm!“, sagt der Freund und wirft Eiswürfel in den Primitivo.

„Du kannst doch kein Eis in Rotwein tun!“

„Wieso nicht? Vielleicht ist das mein Lieblingsgetränk und in Köln sind doch 46 Grad oder so!

„Aber hier sind es höchstens 20!“

„Du hast einfach keine Fantasie!“

„Habt ihr gewusst, dass Fantasie von Fanta kommt?“, fragt die andere Freundin.

„Quatsch, du Pfeife, umgekehrt, es heißt Fanta von Fantasie!“

„Imagination ist die halbe Miete!“

„Da vergiss mal nicht die Nebenkostenabrechnung nächsten Winter!“

„Ach was, nächsten Winter bin da, wo man gar nicht heizen muss!“

„Katar?“

„L.A.!“

„Und was willst du da dann so machen?“

„Vielleicht mach ich es wie Julia Roberts.“

„Du willst Nutte werden?“

„Schauspielerin!“

„Du wirst nächstes Jahr 50, da haben selbst die Etabliertesten nichts mehr zu tun, außer jetzt hier … Jenseits von Afrika.“

„Robert Redford!“

„Nein, das Problem betrifft nur Frauen, du Keks, außer Meryl Streep mein’ ich!“

„Die Lieblingsschauspielerin meiner Mutter und Sally Field auch, aber die wurde vom Sexismus verschluckt!“

„Man kann nur ein Lieblingsdings in einer Kategorie haben, dazu ist das Präfix ‚Lieblings‘ doch da, um das auf den Punkt zum Ausdruck zu bringen!“

„Niemand hat nur ein einziges Lieblingsdings!“

„Deshalb sagt man ja auch: einer meiner Lieblingsfilme.“

„Und das ist falsch, der Superlativ schließt Gesellschaft aus, deshalb heißt er ja Superlativ!“

„Was war noch mal der Ablativ?“

„Nie gewusst!“

„Das war irgendwas mit Trennung oder Abschied!“

„Aber Trennung ist doch keine grammatische Form!“

„Schön wär’s.“

„Trennung gibt es in allen Formen, grammatikalisch, emotional, materiell, abstrakt, idealistisch …“

„Ich hab gelesen, in der ersten Drehbuchfassung von ‚Pretty Woman‘ trennt der reiche Typ sich wieder von der Prostituierten oder sie werden gar kein Paar oder so!“

„Natürlich wären sie in echt kein Paar geworden, warum auch?“

„Na ja, beide brauchen, was der andere hat, sie Moneten, er emotionale Tiefe!“

„Und wenn sie nicht gestorben sind, ist sie noch immer sein Lieblingsmensch und er ist ihrer!“

„Pfui, das sollte verboten werden!“

„Liebe?“

„Das Wort ‚Lieblingsmensch‘!“

„Stimmt, das klingt unangenehm, und so überexklusiv, und wenn ich sage, Bisons sind meine Lieblingstiere, dann betrifft es immerhin alle Bisons!“

„Habt ihr eine Lieblingspolitikerin?“

„Du meinst jetzt echt nur die Frauen?“

„Ja, das ist einfacher, es gibt nicht so viele.“

„Es ist spät, bleiben wir bei Getränken, die sind Geschmackssache, Geschmack lässt sich nicht ausdiskutieren!“

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Jasmin Ramadan ist Schriftstellerin in Hamburg. Ihr letzter Roman „Hotel Jasmin“ ist im Tropen/Klett-Cotta Verlag erschienen. 2020 war sie für den Bachmann-Preis nominiert. In der taz verdichtet sie im Zwei-Wochen-Takt tatsächlich Erlebtes literarisch.

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