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Wer ist Delcy Rodríguez?Maduros „Tigerin“

Die USA setzen auf Venezuelas Interimspräsidentin. Die Tochter eines linksgerichteten Guerillakämpfers gilt als bestens vernetzt in der Ölindustrie.

Unbeugsam, loyal, in knalliger Designerkleidung: Das ist Delcy Rodríguez, die neue Schlüsselfigur in der venezolanischen Politik. Am Samstag hat das Oberste Gericht sie zur kommissarischen Präsidentin erklärt, fast einen Tag nachdem Präsident Nicolás Maduro in einem US-Militäreinsatz gewaltsam festgenommen wurde.

Die 56-Jährige hat stets ihre Treue zum Chavismus und zu Nicolás Maduro betont. Die Grundlagen bekam sie schon in die Wiege gelegt. Sie ist die Tochter des linksgerichteten Guerillakämpfers Jorge Antonio Rodríguez. Dieser gründete in ‍den 1970er Jahren die revolutionäre Partei Liga Socialista. Ihr Bruder Jorge Rodríguez ist Präsident der Nationalversammlung. Mit ihm arbeitet sie eng zusammen. Maduro hält sie bis heute die Treue. 2017 leitete sie die Verfassungsgebende Versammlung, die Maduros Machtbefugnisse erweiterte.

Maduro nannte sie seinerseits „Tigerin“ und „eine junge, mutige, erfahrene Frau, Tochter eines Märtyrers, Revolutionärin und in tausend Schlachten erprobt“. Seit fast zwei Jahrzehnten prägt die zierliche Juristin die venezolanische Politik und den Chavismus. Sie war Kommunikations- und Informationsministerin. In ihrer Zeit als Außenministerin (2014–2017) prägte sie den Angriffskurs gegenüber den USA. Dieser Linie blieb sie als Vizepräsidentin treu.

Neben dem Amt der Vizepräsidentin war sie zuletzt gleichzeitig Finanz- und Ölministerin. Ein Schlüsselamt, schließlich ist das verstaatlichte Öl die Haupteinnahmequelle der Regierung. Als Finanzministerin versuchte sie, die Hyperinflation in den Griff zu bekommen.

Präsident Maduro nannte sie Tigerin und „eine junge, mutige, erfahrene Frau, Tochter eines Märtyrers, Revolutionärin und in tausend Schlachten erprobt“

Unter „Delcygate“ wurde ein illegales Treffen von Rodríguez mit dem damaligen spanischen Verkehrsminister José Luis Ábalos bekannt. Rodríguez ist von der EU sanktioniert und die Einreise in die EU ist ihr verboten. Trotzdem legte sie im Januar 2020 einen Zwischenstopp am Flughafen Adolfo Suárez Madrid-Barajas ein. Mit Wissen des Präsidenten Pedro Sánchez.

Das Delcygate wurde 2025 wegen des Geldwäscheskandals um die spanische Fluglinie Plus Ultra 2020 aufgewärmt. Die spanische Antikorruptionsstaatsanwaltschaft beschuldigt die Manager des Unternehmens, Julio Martínez und Roberto Roselli, des angeblichen Missbrauchs der staatlichen Rettungsgelder in Millionenhöhe; es ging um 53 Millionen Euro. Dieses Geld soll für die Durchführung von „Geldwäscheoperationen verwendet worden sein, die aus Veruntreuungen öffentlicher Gelder in Venezuela stammen“.

Laut US-Präsident Donald Trump sollen große US-Ölkonzerne nun Milliarden Dollar investieren, um die nach seinen Worten „schwer beschädigte“ venezolanische Öl-Infrastruktur zu modernisieren. Eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela „reich, unabhängig und sicher“ machen, sagte er – und Wiedergutmachung an die USA für Schäden in der Vergangenheit bezahlen.

Ex­per­t:in­nen gehen davon aus, dass es rund ein Jahrzehnt dauern und ein Vermögen kosten wird, die auf dem Boden liegende Ölindustrie wieder aufzubauen. Wegen ihrer Erfahrung, ihres Insiderwissens und ihrer Kontakte könnte Rodríguez eine Brückenbauerin sein – wenn sie denn wollte.

Rodríguez lehnt das bislang kategorisch ab. Sie betonte vielmehr: „Wir werden nie mehr Sklaven sein, nie mehr Kolonie, von keinem Imperium.“

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