Weltfußballverband Fifa

Image weißwaschen mit Frauen

Die Fifa präsentiert die Fußball-WM der Frauen gern als unschuldiges Kind. Auch Katar lässt Frauen zur Reputationspflege für sich spielen.

"2019"-Straßenaufschrift in Grenoble

Hier lang: Straßenaufschrift zur WM in Grenoble Foto: dpa

BERLIN taz | Michel Platini läuft wieder frei herum. Die in Frankreich übliche Prozedur, einen Zeugen zwecks Vernehmung in Gewahrsam zu nehmen, war für den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Fußballunion nach ein paar Stunden schon wieder zu Ende. Nichts Besonderes sei dabei herausgekommen, meinte der Franzose selbst. Und da kann er durchaus recht haben. Dass die Vergabe der Männer-WM 2022 nach Katar nicht ganz sauber gewesen ist, das weiß man weiß Gott schon länger. Zurück also zur Frauen-WM.

Die wird vom Weltverband Fifa selbst ja gern als unschuldiges Kind präsentiert. Hier wird aus der Fußball-Mafia glatt eine NGO und weil die Förderung des Frauenfußballs so wichtig ist für die Entwicklung gleichberechtigter Gesellschaften, darf Fifa-Boss Infantino am Tag des WM-Eröffnungsspiels ein Memorandum of Understanding mit der UN-Sektion für Frauen unterzeichnen. Besser hätte das Image-Washing vor der Frauen-WM nicht laufen können.

Und auch Katar, das Emirat am Golf, das sich über den Fußball jede Menge soft power in der Welt zusammengekauft hat, lässt die Frauen zur Imagepflege für sich Fußball spielen. Qatar Airways, einer der Großsponsoren der Fifa, ist in Frankreich omnipräsent. Ein Werbespot erzählt die kitschige Geschichte einer Wunderwelt, in der der Frauenfußball regiert.

Es ist die Gute-Nacht-Geschichte, die eine Mutter ihrer Tochter erzählt, so irrwitzig schön, dass man dabei ganz sicher nicht darüber nachdenkt, wie viele Arbeitssklaven auf WM-Baustellen ums Leben gekommen sein mögen, während der Clip produziert worden ist. „Als Fluggesellschaft glauben wir an die Kraft des Sports, Menschen zusammenzubringen“, heißt es da. Wie schön!

Schon reingefallen

Wer sich in den Promo-Boxen von Qatar Airways in den Fan-Zonen der WM von netten jungen Menschen in seinen Landesfarben schminken lässt, um sich dann vor der Traumkulisse aus dem Werbespot fotografieren zu lassen, der ist schon reingefallen auf die Masche von Katar.

Qatar Airways, Fifa-Sponsor

„Als Fluggesellschaft glauben wir an die Kraft des Sports, Menschen zusammenzubringen“

Aus dem Emirat wird gerade stolz vermeldet, dass man der englischen Frauenauswahl im Winter die Pforten seiner Trainingsakademie öffnen wird, in dem der von Katar gesponserte FC Bayern München immer trainiert. Dessen Frauen durften in diesem Winter dort auch schon an ihrer Fitness arbeiten. Mit dem niederländischen Fußballverband hat Katar eine Vereinbarung unterzeichnet, mit der die katarischen Fußballerinnen gefördert werden sollen. Es gutmenschelt, wenn es in Katar um Frauenfußball geht. Ein gewaltiges Ablenkungsmanöver wird da veranstaltet.

Wer über Platini redet, über Korruption im Weltfußball, der kann diese WM davon nicht ausnehmen. Die Fußballerinnen gehören zum großen Spiel der Fifa. Für sie ist die Rolle als Reinemacherinnen im moralisch heruntergekommenen Fußballhaus reserviert

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