Welternährungsgipfel: G-8-Chefs im Hungerstreik
Die Führer der wichtigsten Industrienationen hatten mehr Einsatz gegen den Hunger versprochen. Jetzt will die UNO Ernst machen - und niemand kommt.
ROM/BERLIN taz/afp | In Abwesenheit der wichtigsten Politiker der Welt hat in Rom der UN-Welternährungsgipfel begonnen, um Maßnahmen gegen den weltweit zunehmenden Hunger zu beschließen. Zum Auftakt verabschiedete der Gipfel eine Abschlusserklärung, die die "Beendigung des Hungers in der Welt" als "strategisches Ziel" nennt. Doch enthält sie keine finanzielle oder zeitliche Festlegung.
Das Jahr 2025 als angedachter Fixpunkt wurde gestrichen. Die Halbierung der Zahl der Hungernden hatten die Mitglieder der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zuletzt Mitte 2008 beschworen. Seitdem stieg die Zahl der chronisch hungernden Menschen von 850 Millionen auf über eine Milliarde. FAO-Chef Jacques Diouf forderte daher vor dem Gipfel "konkrete Zusagen" zur Erhöhung der Investitionen in die Landwirtschaft in armen Ländern von jährlich 8 auf 44 Milliarden Dollar. Auch dies steht nicht in der Gipfelerklärung.
Erst im Juli hatte der letzte G-8-Gipfel in Italien die Bekämpfung des Welthungers durch Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsländern zur Priorität erklärt und die Erhöhung der Mittel dafür auf 20 Milliarden Dollar jährlich in drei Jahren versprochen. "Wir müssen sicherstellen, dass diese Verpflichtung eingelöst wird", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gestern.
Keiner der G-8-Staats- und Regierungschefs ist jedoch beim Gipfel - außer Gastgeber Silvio Berlusconi, der damit einem Gerichtstermin entgeht. Aus Deutschland kam Agrarministerin Ilse Aigner. Zahlreiche Redner nahmen Bezug auf die enttäuschende Beteiligung. Beifall erhielt Malis Staatschef Amadou Toumani Touré, als er rief: "Jedes Mal reisen wir mit einem Bauch voller Versprechungen ab, und beim nächsten Mal geht es von vorne los. Diejenigen, die Zusagen machen, sollen sie einhalten. Wenn sie sie nicht einhalten, sollen sie schweigen." Genau das haben die Chefs der reichen Industrienationen gestern getan.
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