Weltausstellung Expo 2035 in Berlin: „Der Regierende ist da noch dran“
Laut Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ist eine gemeinsame Expo-Bewerbung mit Brandenburg noch nicht vom Tisch
Das Verwirrspiel beim Thema Expo geht weiter. Nachdem Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Wochenende quasi einen Berliner Alleingang gefordert hatte, nachdem Brandenburg an einer gemeinsamen Bewerbung kein Interesse zu zeigen schien, soll es nun doch zu zweit weiter gehen können. „Der Regierende (gemeint ist Regierungschef Kai Wegner, CDU; Anm. d. taz) ist da dran“, sagte Giffey am Mittwoch vor Journalisten, „er hat mir das heute nochmal bestätigt, dass er mit Brandenburg sprechen wird.“ In diese Richtung äußerte sich auch Senatssprecherin Christine Richter.
Giffey hatte innerhalb der schwarz-roten Landesregierung auch an einer Expo-Bewerbung festgehalten, nachdem sich Wegner dagegen ausgesprochen hatte. Der war zwar nicht grundsätzlich gegen eine Weltausstellung, sah aber durch eine Bewerbung das für ihn wichtigere Projekt einer dann parallelen Bewerbung für Olympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 gefährdet. Das gehe nicht zusammen, wollte er von entscheidender Stelle sinngemäß gesagt bekommen haben.
Ende Januar schließlich schwenkte Wegner um und brachte als Standort das brandenburgische Schönefeld an der Landesgrenze zu Berlin ins Gespräch, BER-Standort und alle zwei Jahre Ort der Internationalen Raum- und Luftfahrtausstellung. Doch nun war Brandenburg wenig interessiert. Das schien vergangene Woche abschließend dokumentiert, als die dortigen künftigen Regierungspartner SPD und CDU ihren Koalitionsvertrag vorstellten, in dem der Begriff Expo nicht vorkommt.
„Wenn es mit Brandenburg nicht geht, dann darf Berlin diese Zukunftschance nicht verschenken, sondern muss einen eigenen Weg gehen und jetzt noch einmal neu denken“, sagte Giffey daraufhin am Wochenende der Deutschen Presse-Agentur. Problematisch daran war und ist, dass am mal angedachten Standort des Ex-Flughafens Tegel nicht genug Fläche verfügbar sein könnte.
Giffey: Expo in Osaka machte Gewinn
Dass ein berlin-brandenburgisches Projekt doch noch nicht ganz weg ist, erfüllte Giffey in der Pressekonferenz sicht- und hörbar mit Begeisterung: „Wir hätten guten Chancen, in Paris im Expo-Generalsekretariat ein positives Votum zu bekommen.“ Davon verspricht sie sich einen Gewinn für Berlin: Osaka als jüngster Ort der Weltausstellung „ist mit einem Plus rausgegangen“, sagte sie. Dort gab es binnen sechs Monaten rund 27 Millionen Besucher und – umgerechnet – 130 Millionen Euro Gewinn. Die nächste Expo soll 2030 in Riad in Saudi-Arabien sein.
Aus Giffeys Sicht wäre es ein großes Versäumnis, auf eine Bewerbung zu verzichten. Wenn man Berlin wirtschaftlich stärken wolle, „dann müssen wir diesen Standort auch vermarkten“. Als die Wirtschaftssenatorin am Wochenende noch als Alternative einen Alleingang vorschlug, sagte sie: „Dafür gibt es auch in der Stadtgesellschaft und aus der Wirtschaft viele sehr engagierte Akteure, die das mit der Politik gemeinsam vorantreiben können.“ In einer 4-Millionen-Metropole, der „größten und innovativsten Stadt Deutschlands“, müsse es möglich sein, geeignete Orte und Konzepte für eine Expo 2035 zu finden und zu erarbeiten.
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