Warum wegschauen im Sport nicht hilft

Schöner wird’s nicht

Klimawandel beim Rugby, Gewalt in Ecuador, Ausschluss von Migranten: Im Sport gibt es alles, was diese Gesellschaft ausmacht. Nicht nur das Gute.

ein Rugbyspieler auf einem komplett überfluteten Spielfeld

Rugby zwischen Fuß- und Wasserball: Training des japanischen Teams Foto: dpa

Am schlimmsten ist das ZDF. Sind in dessen „heute“-Nachrichten die Schreckensmeldungen verlesen, wird sich dem „Norbert“ oder der „Kristin“ zugewandt. „Und nun zu etwas Erfreulichem, dem Sport.“ Dann gibt’s deutsche Siege, an diesem Wochenende aus Hawaii vom Ironman. Aber dass dort, bei der Triathlon-WM auf der Südseeinsel, Athleten reihenweise zusammenbrachen, gehört nicht ins positive Profil, das der Sport dort zu erfüllen hat.

Genauso wenig, wie es dazu gehört, dass die Copa Libertadores Femenina, das größte Frauenfußball-Event in Amerika, wegen der gewaltsamen Proteste abgesagt wurde; und zwar weil die Fans, die Spielerinnen, die Stadien, die Anfahrtswege, also quasi alles, zu den Auseinandersetzungen gehören.

Oder die Rugby-WM der Männer: In den Politiknachrichten erfährt man, wie viele Menschenleben in Japan der Taifun „Hagibis“ gekostet hat. In den Sportnachrichten, ob sich Gastgeber Japan fürs Viertelfinale qualifiziert hat und dass andere Spiele ausfallen mussten. Ob die Häufung von Taifunen etwas mit den Menschen (und ihren Sport-Megaevents) zu tun haben könnte, wird nicht gefragt.

Wer nicht fragt, hört auch nicht die Antwort: Noch nie, kein einziges Mal in der Geschichte, stand der Sport unpolitisch neben der Gesellschaft, deren Produkt er ist.

Im Deutschen Fußballmuseum wurde am Samstag die Gründungself der Frauen in die „Hall of Fame“ aufgenommen. Tolle Sache, freut sich der Fußball. Aber wer kommt in diese Ruhmeshalle? „Fußballerinnen deutscher Herkunft“, so heißt es ganz offiziell beim DFB. Dass das Zuwanderer ausschließt, wurde schon am Beispiel der „Hall of Fame“ der Männer kritisiert. Doch in den Verbänden glaubt man, der Sport sei der Gute-Laune-Motor der Bundesrepublik. Dabei gilt doch an viel zu vielen Wochenenden: „Und nun zu etwas anderem Unerfreulichen.“

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Jahrgang 1964, Mitarbeiter des taz-Sports schon seit 1989, beschäftigt sich vor allem mit Fußball, Boxen, Sportpolitik, -soziologie und -geschichte

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