piwik no script img

Warum wegschauen im Sport nicht hilftSchöner wird’s nicht

Martin Krauss
Kolumne
von Martin Krauss

Klimawandel beim Rugby, Gewalt in Ecuador, Ausschluss von Migranten: Im Sport gibt es alles, was diese Gesellschaft ausmacht. Nicht nur das Gute.

A m schlimmsten ist das ZDF. Sind in dessen „heute“-Nachrichten die Schreckensmeldungen verlesen, wird sich dem „Norbert“ oder der „Kristin“ zugewandt. „Und nun zu etwas Erfreulichem, dem Sport.“ Dann gibt’s deutsche Siege, an diesem Wochenende aus Hawaii vom Ironman. Aber dass dort, bei der Triathlon-WM auf der Südseeinsel, Athleten reihenweise zusammenbrachen, gehört nicht ins positive Profil, das der Sport dort zu erfüllen hat.

Genauso wenig, wie es dazu gehört, dass die Copa Libertadores Femenina, das größte Frauenfußball-Event in Amerika, wegen der gewaltsamen Proteste abgesagt wurde; und zwar weil die Fans, die Spielerinnen, die Stadien, die Anfahrtswege, also quasi alles, zu den Auseinandersetzungen gehören.

Oder die Rugby-WM der Männer: In den Politiknachrichten erfährt man, wie viele Menschenleben in Japan der Taifun „Hagibis“ gekostet hat. In den Sportnachrichten, ob sich Gastgeber Japan fürs Viertelfinale qualifiziert hat und dass andere Spiele ausfallen mussten. Ob die Häufung von Taifunen etwas mit den Menschen (und ihren Sport-Megaevents) zu tun haben könnte, wird nicht gefragt.

Wer nicht fragt, hört auch nicht die Antwort: Noch nie, kein einziges Mal in der Geschichte, stand der Sport unpolitisch neben der Gesellschaft, deren Produkt er ist.

Im Deutschen Fußballmuseum wurde am Samstag die Gründungself der Frauen in die „Hall of Fame“ aufgenommen. Tolle Sache, freut sich der Fußball. Aber wer kommt in diese Ruhmeshalle? „Fußballerinnen deutscher Herkunft“, so heißt es ganz offiziell beim DFB. Dass das Zuwanderer ausschließt, wurde schon am Beispiel der „Hall of Fame“ der Männer kritisiert. Doch in den Verbänden glaubt man, der Sport sei der Gute-Laune-Motor der Bundesrepublik. Dabei gilt doch an viel zu vielen Wochenenden: „Und nun zu etwas anderem Unerfreulichen.“

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Martin Krauss

Martin Krauss

Jahrgang 1964, Mitarbeiter des taz-Sports schon seit 1989, beschäftigt sich vor allem mit Fußball, Boxen, Sportpolitik, -soziologie und -geschichte
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • 7G
    76530 (Profil gelöscht)

    Logik wäre, sie nicht anzuerkennen. Helmut Qualtinger.