Waldbrände in Argentinien und Chile: Klimawandel hat tödliche Feuer wahrscheinlicher gemacht
Viel zu wenig Regen gab es in den betroffenen Regionen, und zwar begünstigt durch den Klimawandel. Das haben Forscher:innen nachgewiesen.
Der Klimawandel verschärft die Waldbrandgefahr im Süden Lateinamerikas. So hat sich durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit jener Wetterbedingungen, die die aktuellen Waldbrände in Argentinien und Chile begünstigten, um das 2,5- bis 3-Fache erhöht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) vom Mittwoch, die die jüngsten Waldbrände in Chile und Argentinien untersucht hat.
Seit Mitte Januar wüten in den chilenischen Regionen Biobío und Ñuble schwere Brände, bei denen mindestens 23 Personen ums Leben kamen. Über 1.000 Häuser wurden zerstört und 52.000 Menschen mussten evakuiert und in Sicherheit gebracht werden. Die Brände wurden durch hohe Temperaturen sowie heftige Winde begünstigt. Noch immer herrscht wegen einiger Brände Alarmstufe Rot.
Über 1.500 Kilometer südlich von Buenos Aires brennen ebenfalls die Wälder. In der Provinz Chubut waren die Brände bereits Mitte Dezember ausgebrochen. Inzwischen sind auch die Provinzen Río Negro, Neuquén und La Pampa betroffen. Es sind die schwersten Brände des letzten Jahrzehnts und laut Berichten der lokalen Feuerwehr wurden bereits mehr als 55.000 Hektar zerstört.
Die Flammen haben auch auf den argentinischen Nationalpark Los Alerces übergegriffen. „In Patagonien bedrohen die Flammen die Alerce-Bäume – uralte Riesen, die seit Jahrtausenden ungestört stehen“, sagt Juan Rivera vom argentinischen Institut für Schneeforschung, Gletscherkunde und Umweltwissenschaften in Mendoza. Extreme Dürre, anhaltende Winde und hohe Temperaturen begünstigen, dass sich die Feuer seit mehr als einem Monat immer wieder ausbreiten.
Bis zu 25 Prozent weniger Niederschlag durch Klimawandel
Das Wetter kommt nicht von ungefähr. „Unsere Analyse zeigt einen eindeutigen und gefährlichen Einfluss des Klimawandels auf diese Brände“, erklärt Clair Barnes vom Zentrum für Umweltpolitik am Imperial College London. Den Forscher*innen zufolge fiel in den betroffenen Regionen 20 bis 25 Prozent weniger Niederschlag als es ohne die zunehmende Verbrennung fossiler Brennstoffe der Fall gewesen wäre. Der Rückgang der Niederschläge im Frühsommer führe nicht nur zu einer trockeneren Vegetation in Chile und Argentinien, die als Nährboden für Brände diene, sondern auch zu Wasserknappheit für die dort lebenden Menschen, fügt Barnes hinzu.
Neben den Wetterbedingungen, auf die sich auch die Klimakrise auswirkt, spielen noch andere Faktoren eine Rolle bei der Ausbreitung der Feuer: Dazu zählt die immer weiter voranschreitende Ausbreitung nicht heimischer Baumarten wie der Kiefer, die hochgradig entzündliche Forste bilden und die inzwischen gefährlich nahe an Wohngebiete heranreichen.
Auch die Sparpolitik des libertären Präsidenten Javier Milei nennen die Forschenden als Teil des Problems. 2025 wurde ein Viertel des für Brandverhütung und -bekämpfung vorgesehenen Budgets schlicht nicht ausgegeben. Die argentinische Umweltorganisation Fundación Ambiente y Recursos Naturales warnt vor einer weiteren drastischen Kürzung der Mittel für Prävention und der Schwächung von Frühwarnsystemen.
World Weather Attribution hat die Studie wie für die Gruppe üblich selbst veröffentlicht statt in einem Fachmagazin. Das machen die Wissenschaftler:innen so, um die Öffentlichkeit schnell mit Informationen über aktuelles Extremwetter zu versorgen. Damit entfällt die Begutachtung von unabhängigen Fachkolleg:innen. Die angewandten Methoden wurden aber auf dem klassischen Wege publiziert und haben solche Prüfverfahren durchlaufen.
Obwohl inzwischen einige Regenfälle die Lage in Chubut etwas entspannt haben, sind noch immer mehrere Brände aktiv oder werden durch trockene und starke Winde immer wieder angefacht. „Für Chile und Argentinien ist die Austrocknung der Landschaften eine Krise, die dringendes Handeln erfordert, um unsere einzigartige Artenvielfalt und die Menschen unserer Region zu schützen“, so Rivera.
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