Wahrheitskommission in Kolumbien: Schwierige Aufarbeitung
Mit dem Abschlussericht über die Verbrechen in Kolumbien ist ein Teilziel erreicht. Die Opfer konnten aussagen. Jetzt geht es um die Konsequenzen.
D ie Mitglieder der Wahrheitskommission haben gegen alle Widrigkeiten Großes in Kolumbien geleistet: In den vier Jahren Mandat starben zwei der Mitglieder, eins zog kurz vor Fertigstellung des Berichts zurück. Dazu legte die Pandemie samt einer der längsten Quarantänen der Welt ihre Arbeit über lange Monate auf Eis.
Trotz allem haben rund 30.000 Opfer ihr Zeugnis abgelegt, die Kommission hat zudem Begegnungen zwischen Opfern und Tätern ermöglicht. Zum Teil haben Menschen, die jahrelang nicht sprechen wollten, Vertrauen gefasst. Was bereits öffentlich ist, enthält einige neue Erkenntnisse, die die Aufarbeitung voranbringen. Das lässt hoffen.
8.000 Seiten soll der Abschlussbericht der Wahrheitskommission am Ende haben. 900 Seiten Ergebnisse und Empfehlungen sind seit Dienstag öffentlich. Es wird nicht nur für Journalistïnnen eine Herausforderung, sich sukzessive durch dieses Textberge zu arbeiten und diese zu verstehen – plus Audios, Videos und anderem Material auf der Multimedia-Plattform.
Die 100 Seiten Empfehlungen lassen ahnen, dass die Aufarbeitung fürs Massenpublikum keine einfache Aufgabe wird – gründliches Korrekturlesung und Straffung war offenbar nicht mehr drin. Doch die Inhalte müssen unters Volk gebracht werden und eine breite gesellschaftliche Debatte darüber in Gang kommen – über alle Generationen. Nur so kann der entsprechende Druck aufgebaut werden, um Veränderungen voranzutreiben.
Wie die Kommission richtig empfiehlt, sind für die meisten Punkte mehrere Akteure gefragt. Zudem betreffen Themen wie Rassismus, Sexismus und mangelhafte Übung in der gewaltlosen Lösung von Konflikten die gesamte Gesellschaft.
Dass Präsident Iván Duque bei der Abschlussveranstaltung der Wahrheitskommission unter einem fadenscheinigen Vorwand nicht dabei war, ist die Krönung von vier Jahren Behinderung des Friedensprozesses und ein Schlag ins Gesicht für die fast 9 Millionen Opfer des bewaffneten Konflikts.
Mit dem Regierungswechsel bekommt Kolumbien zumindest einen Präsidenten, der die Umsetzung des Friedensabkommens befürwortet und den Empfehlungen der Wahrheitskommission offen gegenüber steht.
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