Wahlen in Tschechien: Beginn einer Staatskrise

Der gesundheitliche Zusammenbruch des tschechischen Präsidenten könnte sich als günstig für Babiš entpuppen. Er ist der Wunschkandidat von Zeman.

Tschechiens Regierungschef Babis nach der Wahl

Könnte es am Ende doch wieder werden: Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš Foto: Petr David Josek/ap

Kurz nachdem Andrej Babiš, amtierender Ministerpräsident und frischgebackener Wahlverlierer, am Sonntagvormittag Präsident Miloš Zeman seine Aufwartung gemacht hatte, wurde dieser ins Krankenhaus eingeliefert. Bei der Aufnahme soll Zeman leblos in seinem Rollstuhl gehangen haben. Der Mann also, der dafür verantwortlich ist, die Regierungsbildung zu beauftragen, ist kollabiert.

Das Timing seines Zusammenbruchs, möge sich sein Zustand verbessern, könnte zu diesem Zeitpunkt eine Staatskrise hervorrufen und Babiš die Macht sichern. Zeman selbst hat sich als jemanden beschrieben, der gerne Leute bis zum Anschlag ärgert. Er hat schon des Öfteren betont, dass Babiš, mit dem den Präsidenten eine lange Bekanntschaft – und Mutmaßungen über Parteispenden in den wilden 1990ern – verbindet, sein Wunschkandidat ist.

Ungewiss, wie die Wahlgewinner, ein liberales Dreierbündnis, darauf reagieren. Gesundheitlich ging es Zeman schon lange schlecht. Sein Lebenswandel habe ihn eingeholt, meinte Zemans alter politischer Widersacher Václav Klaus vor ein paar Tagen im Radio, als erste Nachrichten durchsickerten, dass sich der Gesundheitszustand des Staatschefs und obersten Heeresführers verschlechtert habe.

Ein Foto der Präsidentenkanzlei, das Zeman auf Schloss Lany, dem Landsitz tschechischer Präsidenten zeigt, sorgte für weitere Spekulationen. Warum Zeman plötzlich mit der linken Hand wähle, wo er sonst den Wahlzettel immer mit rechts in die Urne steckte, wundert sich das tschechische Internet. Der Präsident soll unter Leberzirrhose im Endstadium leiden, der viel gerühmte Alkoholkonsum hat ihn eingeholt.

Zeman hat sich als direkt gewählter Präsident gerne als eine Art Volkstribun gesehen, eine alternative Macht, die über die Geschicke des Volkes wacht. Eine Mischung aus Rübezahl und dem seligen Kaiser (nach dem sich viele Tschechen in tiefsten Inneren fast so sehr sehnen wie nach Václav Havel). Er hinterlässt, sollte er tatsächlich abdanken, ein Land in der Krise.

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