Wählerinitiative für Elif Eralp: „Wählst du noch die Grünen oder auch schon die Linken?“
Prominente aus Kunst und Kultur unterstützen die Berliner Linken-Kandidatin Elif Eralp. Hoffnungen auf eine Revolution verbinden sie mit ihr aber nicht.
Kurz ist Michael Sontheimer, ehemaliger taz-Chefredakteur, wohl selbst irritiert, als er auf einer Pressekonferenz am Donnerstag die Genese der Idee einer Wahl-Initiative für die Linken-Kandidatin zur Abgeordnetenhauswahl Elif Eralp vorstellt. Sein Vater habe damals, Ende der 1960er die Initiative „Willy wählen“ mitbegründet, die zwei erfolgreiche Kanzlerkandidaturen von Willy Brandt begleitete, an diese habe er sich erinnert und gedacht: „Warum nicht“ etwas Ähnliches auch für Eralp? Begleitet von Lachern auf dem Podium in der taz-Kantine entfährt ihm: „Mir ist schon klar, dass da eine gewisse Asymmetrie herrscht.“
Und so wie Eralp kein Brandt, möchte Sontheimer sich auch nicht mit dem Schriftsteller Heinrich Böll vergleichen, der sich für Willy oder gegen Militarismus starkmachte. Anknüpfen aber möchte er schon an die Tradition von Post-1968, als „öffentliche Intellektuelle noch wichtig waren“, als Leute aus Wissenschaft und Kultur „Partei ergriffen“. Selbstverständlich ist das heute nicht mehr. Es klang durch, dass Sontheimer durchaus einige Absagen kassiert habe, nicht wenige hätten ihm gesagt: „Ich wähle Elif Eralp und die Linke, aber öffentlich machen, möchte ich das lieber nicht.“
Einige Mitstreiter:innen, die bereit sind, ihre Nase in den Wind zu stecken fand Sontheimer aber doch. 22 Erstunterzeichner:innen hat der Wahlaufruf eingesammelt – keine Linkspartei-Mitglieder, wie im Aufruf betont wird. Zu ihnen gehören der Kabarettist Arnulf Rating, die Schauspielerin Corinna Harfouch und die Künstlerin Käthe Kruse. Unterzeichnet haben sie einen kurzen Text, in dem die Sorge um Berlin angesichts von Kulturkürzungen und Wohnungskrise ausgedrückt wird. Dagegen betonen sie: „Elif Eralps Reformpläne auf dem Weg zu einer Stadt für Alle sind realistisch.“
Jürgen Kuttner
Ähnlich nüchtern bleibt der Ton auch auf dem Podium, wo der Regisseur und Moderator Jürgen Kuttner feststellt: „Wir halten Elif für eine überzeugende Vertreterin einer Politik, die wir gut finden.“ Gleichwohl: „Es wird kein neues Berlin sein am 21. September.“ Ein Wahlsieg der Linken würde die Stadt nicht fundamental verändern, da sind sich die prominenten Wahlwerber:innen einig. Das klingt nicht nach jugendlichem Enthusiasmus, aber dafür haben sie alle wohl auch schon zu viel erlebt.
Das, was die SPD nicht kann
Der Autor Wladimir Kaminer verbindet mit Eralp die Hoffnung, dem „Turbokapitalismus“, der Wohnungen einzig als Finanzkapital betrachtet, etwas entgegenzusetzen. „Es sieht nicht so aus, als könnte das die SPD“, sagt er. Eine Regierende Bürgermeisterin Eralp wäre Kaminer zufolge ein gutes Zeichen gegen den Rechtsruck und außerdem: „Sie ist eine sympathische Zeitgenossin.“
Als wenig überraschender Überraschungsgast platzt die Kandidatin dann auch selbst in die Runde, strahlend gut gelaunt. Da drückt es auch nicht auf die Stimmung, dass die Versprechen der Linken abseits der Mietenpolitik mitunter sehr klein ausfallen: Während der von Eralp zum „Vorbild“ erklärte Zoran Mamdani in New York den Busverkehr kostenlos machen will, will die Berliner Linke einen „Preisstopp“ für den ÖPNV. Mehr Pragmatismus geht kaum.
Angst vor der Linken müsse niemand haben, sagt Sontheimer. Sie sei Berlins mitgliederstärkste Partei, „kein marginaler Haufen von Antisemiten und anderen Irren“. Er beobachte in seinem Umfeld eine Absatzbewegung von den Grünen: „Wählst du noch die Grünen oder auch schon die Linken?“, sei eine gängige Frage. Aufruf-Unterstützer:innen wie Gretchen Dutschke stünden für diesen Trend.
Man wolle derweil keine „Wählerwanderbewegung anführen“ sagt Kuttner, sondern „solidarische Kräfte bei SPD und Grünen stärken“. Nur mit ihrer Unterstützung kann Berlin eine „rote Bürgermeisterin“ bekommen.
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