Vorsitz der Linkspartei: Wissler will Linken-Chefin werden
Als erste von mehreren Anwärter:innen hat Janine Wissler ihre Kandidatur für den Vorsitz der Linkspartei bekannt gegeben. Ihre Chancen stehen gut.
Foto: Patrick Scheiber/imago
Die hessische Linkenpolitikerin Janine Wissler will Parteivorsitzende der Linkspartei werden. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich auf dem kommenden Parteitag als Parteivorsitzende kandidieren soll, und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich das tun möchte“, schrieb Wissler am Freitag in einer knappen Erklärung, die sie über Twitter verbreitete.
„Wir brauchen eine starke Linke, die verankert ist in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die innerhalb und außerhalb der Parlamente für soziale Gerechtigkeit, ökologischen Umbau, Antirassismus, mehr Demokratie und konsequente Friedenspolitik eintritt“, umriss Wissler ihr politisches Programm. Wegen einer familiären Notsituation werde sie in den nächsten Tagen allerdings keine Anfragen beantworten und bittet dafür um Verständnis.
Die beiden amtierenden Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger hatten vor einer Woche separat erklärt, nach acht Jahren an der Spitze nicht wieder für den Vorsitz zu kandidieren. Damit ist auf dem Parteitag Ende Oktober der Weg frei für die Wahl einer neuen Doppelspitze.
Wissler ist seit 2009 Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Hessischen Landtag. Der redegewandten und charismatischen Frontfrau werden gute Chancen auf den Parteivorsitz nachgesagt. Sie tritt in der stark auf Quotierung bedachten Linkspartei als Vertreterin des linken Parteiflügels und der westdeutschen Landesverbände an.
Weitere Kandidatur am Abend erwartet
Für die ostdeutschen Landesverbände und das Lager der Pragmatiker in der Partei ist die Thüringer Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow als mögliche Kandidatin im Gespräch. Hennig-Wellsow will sich im Laufe des Abends am Rande der Sitzung des Landesvorstands äußern.
Beide Frauen könnten eine Doppelspitze bilden. Es ist aber gut möglich, dass sich noch weitere Bewerber:innen melden und die Karten auf dem Parteitag in Erfurt noch einmal neu gemischt werden.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert