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Vor den Wahlen in Baden-WürttembergHilferuf der süddeutschen Windbranche

Unternehmen fordern bessere Einspeisevergütungen für Projekte in den Mittelgebirgen – ansonsten komme der Anlagenneubau im Ländle zum Erliegen.

Es gibt sie trotz Klagen aus der Branche: Windräder in BaWü, hier im Remstal Foto: imago/Stefan Schurr
Bernward Janzing

Aus Freiburg

Bernward Janzing

Die Windbranche sieht den Anlagenneubau in Baden-Württemberg unter den aktuellen Rahmenbedingungen vor dem Aus. In einem „Forderungspapier Wind an Land“ beklagen 22 betroffene Unternehmen wenige Tage vor der Landtagswahl, dass der Südwesten angesichts der regional höheren Projektkosten in den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur keine Chance mehr habe gegenüber den billigeren Windparks im Flachland.

Aus Sicht der Unternehmen, angeführt vom Freiburger Kommunalversorger Badenova, missachtet der aktuelle Mechanismus des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) „zentrale Kostenfaktoren im Südwesten“. Zu diesen gehörten einerseits die „höheren spezifischen Projektkosten durch anspruchsvolle Topographie und Genehmigungsverfahren“ – etwa für Erschließungswege, Kabeltrassen und durch die nötige Speziallogistik.

Zudem seien die Projekte, weil sie oft nur aus bis zu drei Anlagen bestehen, aufwendiger in der Realisierung als große Parks in flacheren Regionen. Entsprechend zeigen Analysen der Unternehmensberatung Enervis, dass Baden-Württemberg in der aktuellen Ausschreibungsrunde vom Februar vollständig leer ausgehen könnte. Aus Sicht der Branche wäre das ein „für Baden-Württemberg katastrophales Ergebnis“.

Matthias Welss, kaufmännischer Geschäftsführer von Badenova Erneuerbare, sagt: „Wenn die Bundesregierung in der anstehenden EEG-Novelle auf die Besonderheiten von Windkraftparks in Baden-Württemberg keine Rücksicht nimmt, steht der Windkraftausbau im Südwesten still.“

Unterzeichner des Positionspapiers sind unter anderen auch EWS Schönau und regionale Versorger, Projektierer und auch Töchter der Konzerne Vattenfall und Iberdrola.

Wettbewerbsdruck auf die Windkraft

Hintergrund des gemeinschaftlichen Vorstoßes ist der enorme Wettbewerbsdruck auf die Windkraft bei den EEG-Ausschreibungen, seit die Genehmigungszahlen für Windparks bundesweit erheblich angestiegen sind. Da sich immer mehr Projekte um die limitierten Ausschreibungen bewerben, bekommen nur noch Bewerber einen Zuschlag, die sehr günstig anbieten können.

Weil der Südwesten bei diesem Preiswettbewerb nicht mehr mithalten kann, fordert die Windbranche von der Bundesregierung bei der ohnehin anstehenden Novelle des Gesetzes einerseits eine Erhöhung der Ausschreibungsmenge, um den Kostendruck auf die Projekte zu reduzieren. Dann könnten auch noch Windparks zum Zuge kommen, die höhere Vergütungen brauchen, um rentabel zu arbeiten.

Außerdem fordern die Unternehmen, dass die „Systemvorteile von Windenergieanlagen im Südwesten“ durch höhere Vergütungen berücksichtigt werden. Gemeint ist mit den „Systemvorteilen“, dass der Wind „im Süden zeitlich anders als im Norden“ weht. Daher sei es „energiewirtschaftlich und volkswirtschaftlich sinnvoll“, Windenergieanlagen auch im Süden zu errichten.

Eine bevorzugte Behandlung im EEG erfahren Projekte im Süden bereits. Über das sogenannte Referenzertragsmodell erhalten windschwache Standorte einen Vergütungsbonus, der im Süden bis zum Faktor 1,55 reichen kann. Aber diese Zuschläge reichen inzwischen offenbar nicht mehr aus, um die Zusatzkosten auszugleichen, die durch das schwierige Gelände der Mittelgebirge entstehen.

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