Von Speisekarten und ihrem Inhalt: Mein Vorgänger, My Ex und ich

Ein neuer Food-Kolumnist stellt sich vor und geht asiatisch Essen. Dort scheitert er beim Bestellen daran, die kreativen Getränke-Namen auszusprechen.

Drei Fotos, links reicht jemand Stäbchen über einen gedeckten Tisch, in der Mitte der Tisch und die Stäbchen von oben, rechts nimmt ein anderer Mann die Stäbchen entgegen

Von Kolumnist zu Kolumnist: Die offiziellien Stäbchenübergabe wurde natürlich dokumentiert Foto: Brake/Schulz

Der Samstag vor vier Wochen war ein trauriger Tag für die Genussseite der gedruckten taz. Denn da erschien die letzte Ungenießbar-Kolumne von Jahrhunderttalent Adrian Schulz, der nun beim Tagesspiegel seine Sauerteigaufbackbrötchen – Gibt es das wirklich? Ist das technisch überhaupt möglich? Und wer wäre die Zielgruppe? – verdient. Dieser Samstag ist hoffentlich wieder fröhlicher, denn ich darf mich als sein Nachfolger vorstellen.

Für eine offizielle Stabübergabe trafen Adrian und ich uns in einem Restaurant, das zum wachsenden „Asia Tapas“-Segment gehört. Es gibt also kleine Portionen, von denen man sich viele zum Teilen in die Mitte stellt, so wie es in anderen Ländern ohnehin üblich ist. Die Buffetisierung der Kleinstbestellung, ein Prinzip, das sich ruhig auch hier durchsetzen möge.

Zu trinken orderte Adrian einen hausgemachten Eistee und vermied es geschickt, den in der Speisekarte gedruckten Namen des Getränks zu nennen, womit er den Kellner zu sagen nötigte: „Ah, Sie möchten einen ‚No Way Out‘?“ Ich hingegen wollte meinen „Gorgeous Ginger“ selbst aussprechen und scheiterte kläglich an diesem 4G-Begriff.

So sah die ganze Karte aus. Alles hatte Namen, und mehr als die Hälfte davon waren bemüht krea­tiv: „Yes Please“, „Duck in Pyjamas“, „Cozy Green“, „Party Girl“. Zum Glück durften wir die Essenbestellung mit Bleistiften auf Vordrucke schreiben, die an Minigolf-Punktekarten erinnerten. Wir wären sonst vor Scham verhungert.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Die drei schlimmsten Namen waren „Ding Dang Dong“, „My Ex“ und ein Cocktail namens „Passionate Daddy“. Denn es gab natürlich auch Cocktails, so wie es gefühlt in fast allen „südostasiatischen“ Res­tau­rants in Berlin Cocktails gibt, gern von der bunteren, größeren Sorte, auch wenn die gar nichts mit der Küchentradition zu tun haben. Meine Theorie dazu: Als es in den achtziger und neunziger Jahren in Deutschland mit den thailändischen Restaurants losging, waren die Early Adopter dieser damals noch exotisch wirkenden Speisen (Kokosmilch? Crazy!) genau die Menschen, die schon mal Urlaub auf Phuket gemacht hatten und sich dieses Erlebnis ins kalte Deutschland verlängern wollten. Inklusive Cocktails.

Überlegungen wie diese können Sie hier nun regelmäßig lesen. Denn in dieser Kolumne soll es um Trendbeobachtung gehen, um Mustererkennung, um Einordnung von Entwicklungen im kulinarischen Gesamtkontext. Passende Themen hätten in der Vergangenheit die Farben von Wein sein können, georgische Restaurants, die Bringdienstifikation oder Seacuterie. Was die Zukunft bringt? Vielleicht saure Schokolade, Sahnesommeliers, eine Analyse von Serviettenmustern. Hauptsache, es schmeckt!

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Jahrgang 1980, lebt in Berlin und arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Lektor, unter anderem für die taz, Zeit und fluter.de. Schreibt Kolumnen, Rezensionen und Alltagsbeobachtungen im Feld zwischen Popkultur, Medien, Internet, Berlin, Sport und Tieren. Bei der taz im Wochenend-Ressort und dort vor allem für die Genussseite zuständig.

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