Versorgung für den Winter: Reiche will Gasspeicher mit höheren Ausschreibungen füllen
Angesichts historisch niedriger Füllmengen in den Gasspeichern setzt die Bundeswirtschaftsministerin auf den Markt – sie will aber Anreize geben.
rtr | Angesichts historisch niedriger Gasspeicherstände in Deutschland will Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den finanziellen Anreiz für Händler erhöhen, zusätzlich Gas für den Winter verfügbar zu halten. Die CDU-Politikerin plant aber keinen neuen staatlichen Gaseinkauf wie 2022, sondern will ein bereits vorhandenes Instrument – sogenannte Long Term Options (LTO) – in größerem Umfang einsetzen, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von einem Regierungsinsider erfuhr.
Parallel seien mit den beiden bundeseigenen Energiekonzernen Uniper und Sefe höhere Gaseinspeicherungen vereinbart worden.
Die Wirtschaftsministerin setze damit weiter auf „marktgetriebene Maßnahmen“ statt auf staatliche Eingriffe, hieß es in der Bundesregierung. Eine für den Herbst geplante Ausschreibung sogenannter LTO werde um eine noch festzulegende Gasmenge aufgestockt. Darüber hatte Politico zuerst berichtet.
Mit den LTO kann der Erdgas-Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) Gaslieferungen bei Händlern für einen späteren Bedarfsfall absichern. Die Händler erhalten eine Vergütung, wenn sie die vereinbarten Mengen verfügbar halten. Wird die Option gezogen, müssen sie das Gas liefern. Über eine entsprechende Ausgestaltung kann damit zugleich ein finanzieller Anreiz geschaffen werden, zusätzliches Gas einzulagern.
Keine formellen Anweisungen
Reiche setzt mit den LTO auf einen staatlich angestoßenen Marktanreiz. Hintergrund ist, dass sich die Speicherung für Händler wegen der Preisentwicklung als Folge des Iran-Krieges derzeit nur begrenzt rechnet. Seit längerem liefen mit den bundeseigenen Unternehmen Uniper und Sefe Gespräche, dass sie ihre Möglichkeiten zur Gasspeicherung ausschöpfen sollten.
Nach Angaben aus der Regierung haben beide Unternehmen dies intern zugesagt. Der Spiegel berichtete, eine formelle Anweisung zum Gaseinkauf gebe es für die Unternehmen aber nicht.
Der Gasspeicher-Verband INES hatte vorige Woche vor Engpässen im Fall eines sehr kalten Winters gewarnt. Die Speicher seien Anfang September nur zu rund 53 Prozent gefüllt gewesen. Dies sei der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren. Bei extrem kalten Temperaturen könne es im Januar zu Unterdeckungen kommen.
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