Verkehrssicherheit-Demos in Bangladesch: Regierung lässt Kinder verprügeln

Tausende Jugendliche demonstrieren seit einer Woche für sicheren Verkehr. Nun lässt die Regierung Kinder und auch Journalisten verprügeln, Dutzende sind verletzt.

in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka stehen Schülerinnen und protestieren

„Wir fordern sichere Straßen“: Schülerinnen bei einer Straßenblockade am Samstag. Der Fotograf dieses Bildes gehört zu den verprügelten JournalistInnen Foto: ap/A.M. Ahad

DHAKA ap/taz | Regierungsaktivisten haben in Bangladesch Dutzende demonstrierende Kinder und mehrere JournalistInnen verprügelt. Am Wochenende wurden mehr als 100 SchülerInnen verletzt, als sie in der Hauptstadt Dhaka mehr Sicherheit im Verkehr forderten. Dabei waren sie am Sonntag mit PolizistInnen konfrontiert, die Tränengas abfeuerten. Sie wurden zudem von Regierungsanhängern mit Stöcken angegriffen.

Seit gut einer Woche demonstrieren die SchülerInnen in Dhaka, nachdem vergangene Woche zwei Kinder von rasenden Bussen erfasst worden waren. Sie starben.

Die Regierungsanhänger, Mitglieder der Studenten- und Jugendorganisation der regierenden Awami Liga, griffen auch mindestens fünf JournalistInnen an. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP kam vorübergehend mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus.

Am Sonntag nahm die Polizei außerdem den Fotografen Shahidul Alam fest, nachdem er in einem Interview mit dem Fernsehsender Al Dschasira die Rolle der Regierung und der Polizei bei den Schülerprotesten kritisiert hatte. „Wir ermitteln wegen der Verbreitung von falschen Informationen gegenüber verschiedenen Medien und wegen provozierender Kommentare“, sagte ein Polizeisprecher. Alam ist als Aktivist bekannt und hat Bangladeschs bedeutendste Fotografieschule gegründet. In den vergangenen Tagen hatte er die SchülerInnenproteste fotografiert und in Facebook-Livestreams diskutiert.

Die Proteste sind für die Regierung von Ministerpräsidentin Sheikh Hasina vor Parlamentswahlen im Dezember ein Problem. Hasinas Partei hat die Opposition unter Führung der früheren Ministerpräsidentin Khaleda Zia beschuldigt, die Empörung von SchülerInnen zu nutzen, um für politische Vorteile Chaos zu stiften. Zias Partei hat offiziell Unterstützung für die DemonstrantInnen ausgesprochen. Hasina hat sich aber auch an die DemonstrantInnen gewandt. Sie sagte eine Verbesserung der Straßensicherheit zu.

12.000 Verkehrstote im Jahr

Die Straßen von Dhaka sind durch chaotische Verhältnisse gekennzeichnet. Nicht lizenzisierte Fahrer, unregistrierte Fahrzeuge und rasende Busse sind dort normal. Es gibt häufig keine Verkehrskontrollen. Mindestens 12.000 Menschen sterben jedes Jahr bei Verkehrsunfällen in Bangladesch.

Die demonstrierenden SchülerInnen haben in den vergangenen Tagen Tausende Fahrzeuge angehalten und überprüft, ob sie registriert waren und ihre Fahrer eine Zulassung hatten. Dabei erwischten sie auch ranghohe Polizisten und Minister bei Verstößen.

Am Samstag wurde ein Auto mit der US-Botschafterin in Bangladesch, Marcia Bernicat, in Dhaka von einer Gruppe bewaffneter Männer angegriffen, wie die Botschaft am Sonntag mitteilte. Keiner sei verletzt worden. Die Botschaft schrieb auf ihrer Facebook-Seite, die Gewalt gegen die jungen Demonstranten am Wochenende sei nicht zu rechtfertigen.

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