piwik no script img

Illustration: Manuel Fazzini

Unser Fenster nach Russland Schulen, Kirche, Krieg – wie der russische Staat die Jugend formt

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Wie stark prägt Kreml-Propaganda Russlands Jugend? Darüber sprechen wir mit DOXA-Herausgeberin Ekaterina Martynova.

Im Mittelpunkt der aktuellen Folge von „Unserem Fenster nach Russland“ steht die Situation junger Menschen in Russland. Was geschieht derzeit an Schulen und Universitäten? Welche Rolle spielt staatliche Propaganda im Alltag der Jugend? Gibt es noch oppositionelle Studierendenbewegungen – oder sind sie längst im Untergrund verschwunden? Und welchen Einfluss hat die enge Verbindung zwischen Kirche und Staat auf die junge Generation?

Darüber sprechen wir mit Ekaterina Martynova, Journalistin und Herausgeberin des unabhängigen russischen Mediums DOXA. Trotz massiver Repressionen – darunter Verhaftungen, die Blockierung ihrer Website und die Einstufung als „unerwünschte Organisation“ – setzt DOXA ihre Arbeit fort: im Exil, teils anonym.

Während sich ein kleiner Teil junger Menschen im Untergrund organisiert, feministische oder inzwischen verbotene Bücher liest, erlebt das öffentliche Leben auf den Straßen eine alarmierende Entwicklung: Rechtsextreme Gewalt nimmt drastisch zu. Verschiedene ultrarechte Gruppen formieren sich, veröffentlichen in Telegram-Kanälen und anderen sozialen Netzwerken Videos, in denen sie zeigen, wie sie Migranten, LGBTQ+-Personen oder Obdachlose brutal attackieren.

Gewalt wurde normalisiert

„Und genau darin liegt das zentrale Problem: die gesellschaftliche Normalisierung von Gewalt. Es betrifft nicht nur junge Männer – sondern die gesamte Gesellschaft. Im Weltbild vieler dieser Gruppen gibt es nur noch ein Wir und die Anderen – Russen und Nicht-Russen. Die Gesellschaft wird in wertvolle und minderwertige Menschen eingeteilt. Und das ist zutiefst gefährlich“, warnt Martynova.

Ein besonders perfider Mechanismus ist die gezielte Propaganda, die sich an junge Menschen richtet – mit großem finanziellen Aufwand. Ein Großteil dieser Mittel fließt direkt in Programme, Schulen und Sommercamps unter kirchlicher Aufsicht. Die Kirche übernimmt dabei die Rolle eines ideologischen Vermittlers konservativer, moralischer Werte – im Einklang mit der staatlichen Linie.

Russland versteht sich als familienorientierter, moralischer Staat, der viele Kinder und ein glückliches Leben fördern will

Ekaterina Martynova, DOXA

„Russland versteht sich als familienorientierter, moralischer Staat, der viele Kinder und ein glückliches Leben fördern will – gleichzeitig schickt er aber Männer in den Krieg“, fasst Martynova das paradoxe Narrativ zusammen.

Und Frauen? Sie sollen jetzt alle gebären, sogar Schülerinnen. Erst werden sie eingeschüchtert oder unter Druck gesetzt – und dann dazu gebracht, Kinder zu bekommen, alles im Namen der „demografischen Entwicklung“.

Osteuropa gehört zu den Schwerpunkten der taz Panter Stiftung, die dorthin blickt, wo der Zugang zu Informationen immer schwieriger wird – Russland und Belarus gehören dazu. Am letzten Tag im Monat erscheint eine neue Podcastfolge von „Unser Fenster nach Russland/Belarus“ im Podcastformat „Freie Rede“ der taz Panter Stiftung.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare