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Union gegen RotterdamEinfliegender Holländer

Mit einem niederländischen Unionfan bereitet sich taz-Fußballexperte Gunnar Leue auf das Rotterdam-Spiel vor.

Das Bayern-Spiel am Sonnabendnachmittag im Stadion An der Alten Försterei (2:5 aus Sicht des 1. FC Union) war große Unterhaltung, weshalb es beim Absacker vor der „Abseitsfalle“ wenig zu meckern gab. Die Mannschaft hatte gekämpft und noch ist der Krösusklub aus dem Süden kein Loserverein, Gladbachpleite hin, Coronakimmich her.

Beim Bier galt es ohnehin vorauszuschauen aufs nächste Spiel: Feyenoord Rotterdam im Olympiastadion (heute Abend 21 Uhr). Wie sind die sportlichen Chancen, vor allem aber, wie ist die Krawallwahrscheinlichkeit, nachdem sich 5.000 Rotterdam-Fans angekündigt haben? Eine Fanfreundschaft wird das zwischen Union und Feyenoord ja nicht mehr. Erst der Hooliganüberfall auf die Vereinsführung der Köpenicker in Rotterdam, dann das aggressive Vorgehen der Polizei gegen Unionfans und das skandalöse Versagen beim Stadion­einlass, das BER’sche Ausmaße hatte.

Just ins Palaver über die Rückspielaussichten schiebt sich ein holländischer Akzent. Der zugehörige Typ trägt eine Bomberjacke, auf der Brust das Emblem des 1. FC Union. Hui, schon wieder so ein Konvertierter? Neulich hatte ich nach dem Spiel schon einen älteren Herrn im Union-Shirt getroffen, einen zugezogenen Luxemburger. Der erzählte erst, was ihn nach Berlin verschlug, dann, dass die Deutschen zu brav mit ihrer Regierung umgingen. Nicht wegen Corona, sondern wegen der Rentenungerechtigkeit. Sie sollten sich mal ein Beispiel an den Franzosen (Gelbwesten!) nehmen. Ich habe ihm dann erklärt, dass er für meine Altersversorgung direkt etwas tun könne, indem er die Schallplatte „Eisern Union“ kauft. Die hätte ich nämlich herausgebracht.

Bart, wie sich der Unioner aus Holland vorstellte, war indes kein Zugezogener, sondern ein Fußballfan, der dem Köpenicker Verein schon seit Jahrzehnten verbunden ist. Sein erstes von vielen Spielen An der Alten Försterei erlebte er mit Anfang 20, zwei Jahre vorm Mauerfall. 1987 trug Union zwei Freundschaftsspiele gegen den FC Den Haag aus, Bart war dabei. Auch in Ostberlin, weil ihn die geteilte Stadt ohnehin faszinierte. Er habe halt ein Faible für die raue Direktheit, die die Unionfans schon in der DDR in ihren Gesängen zeigten. „30 Meter im Quadrat, nur Minenfeld und Stacheldraht. Du weißt ja wo ich wohne, ich wohne in der Zone.“

Apropos wohnen, wo er denn wohne? In Rotterdam. Mit Feyenoord habe er aber nix am Hut. Beim Hinspiel sei er natürlich im Stadion gewesen. Und das Rückspiel im Olympiastadion sähe er mit Union-Leuten, klar. Was die atmosphärischen Aussichten beträfe? Na ja, die berüchtigten Feyenoord-Hooligans hätten Berlin als attraktives Ausflugsziel auserkoren. „Glück für Köpenick, vielleicht Pech fürs Hertha-Gebiet.“

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