Umweltsenatorin schaltet das Licht ab: Die im Dunkeln sieht man nicht

Alles müssen sparen, nun geht die grüne Senatorin Bettina Jarasch voran. Am Berliner Dom und fünf weiteren Objekten wird die Beleuchtung eingestellt.

Spree im Dunkeln

So könnte Berlin bald überall aussehen Foto: dpa

BERLIN taz | Ein Sternenpark wird nicht gleich entstehen in der Mitte Berlins, aber ein paar Lux weniger werden es schon werden in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Nach und nach wird Berlins Umweltsenatorin Bettina Jarasch dem Dom, der Marienkirche, dem Lustgarten, dem Zeughaus, dem Alten Palais und dem Reiterstandbild Unter den Linden das Licht abdrehen.

„Angesichts des Krieges gegen die Ukraine und der energiepolitischen Drohungen Russlands ist es wichtig, dass wir möglichst sorgsam mit unserer Energie umgehen“, sagt Jarasch. Einen „sichtbaren Beitrag“ wolle sie damit setzen, betont die Grüne, meint damit aber bestimmt einen „unsichtbaren Beitrag“. Aber wer will schon wortklauberisch sein in Zeiten der Zeitenwende.

Klar, es geht ums Energiesparen. Wo andere bald den Gürtel enger schnallen müssen, kann der Senat ruhig auch die Stadt herunterdimmen. Die sechs Orte, mit denen Jarasch begonnen hat, sind erst der Anfang. Peu a peu sollen dann auch Siegessäule, Staatsoper, Deutsche Oper, Gedächtniskirche, Rotes Rathaus, Elefantentor und Eingang Zoo, das Jüdische Museum, die Ruine am Anhalter Bahnhof, die Amerika Gedenkbibliothek, das Schloss Charlottenburg und das Charlottenburger Tor folgen.

All den Orten ist gemeinsam, dass Jarasch selbst am Lichtschalter drehen kann. Sie gehören zu etwa 200 Objekten, die in der Zuständigkeit der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz angestrahlt werden. Dafür sind, wie die Verwaltung am Mittwoch mitteilte, etwa 1.400 Strahler im Einsatz.

Keinen Überblick übers Licht

Aber was ist mit dem Brandenburger Tor, das zuletzt öfter in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb angestrahlt war und in der Regie der Staatskanzlei liegt? Und was mit dem Humboldt Forum? Noch vor einigen Tagen hatte die Berliner Finanzverwaltung mitgeteilt, dass sie keinen Überblick darüber habe, wie viele Gebäude in der Stadt nachts angeleuchtet würden und wie viel das koste. Demnach erfasse die für die Verwaltung landeseigener Gebäude und Liegenschaften zuständige Berliner Immobilienmanagement (BIM) nicht, was wo wie lange angestrahlt wird.

FDP-Fraktionschef Seabstaian Czaja, der die Anfrage gestellt hatte, auf die die Finanzverwaltung antwortete, zeigte sich überrascht. „Dass es keine Kostenaufstellung für die Beleuchtung öffentlicher Gebäude gibt, ist ein merkwürdiger Umstand“, sagte er der dpa. So lasse sich nicht herausfinden, wie viel Einsparpotenzial es bei den Energiekosten öffentlicher Gebäude gebe. „Dass es eine solche Übersicht nicht gibt, wirft außerdem die Frage auf, nach welchem Prinzip hier eine ernsthafte Kostenkalkulation für den Umgang mit Steuergeld stattfindet.“

Tatsächlich hat die Finanzverwaltung auch keine Aufstellung über die Kosten der Illumination. Die Dauer der Beleuchtung werde witterungsbedingt und zum Teil über Dämmerungsschalter gesteuert, heißt es in der Antwort. „Deshalb liegen keine genauen Beleuchtungszeiten vor.“

In der Umweltverwaltung scheint man allerdings eigene Kostenaufstellungen zu haben. „Die Stromkosten belaufen sich auf cirka 40.000 Euro pro Jahr“, heißt es in der Pressemitteilung von Umweltsenatorin Jarasch. Eine Kostenersparnis gebe es durch die Abschaltung vorerst zwar nicht, denn die Kosten dafür entsprächen etwa den eingesparten 40.000 Euro. Allerdings sei auch nicht nicht „die reine Wirtschaftlichkeit“ entscheidend für die Maßnahme gewesen, sondern ein „nennenswerter Energiespar-Effekt“. Die Rede ist von einem Stromverbrauch von 200.000 kWh pro Jahr

Giffey will auch abschalten

Ob das Rote Rathaus, dem die Grünen-Politikerin auch das Licht abdrehen will, dem Beispiel bald folgt? Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hält die Aktion, die auch schon Czaja vorgeschlagen hat, für sinnvoll. Bis Mitte August will der Senat darüber entscheiden und ein Konzept vorlegen, wie die Berliner Verwaltung zehn Prozent Energie einsparen kann.

Mal sehen, ob dann ein sichtbarer oder eher unsichtbarer Beitrag dabei herauskommt. Oder um mit Bertolt Brecht aus der Dreigroschenoper zu sprechen: „Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de